REISEUNTERNEHMEN AUS FINDORFF BIETET NACHHALTIGE AFRIKAREISEN


Die Faszination Afrikas muss man entdecken.

Die »Ajimba African Tours GmbH« wurde 2017 in Findorff gegründet. Geschäftsführer Holger Asche und Frank Wardenberg wollen ausgetretene touristische Pfade verlassen. Der Anspruch ist hoch: »Ajimba African Tours« offeriert Reisen, die sich an Menschenrechten, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit orientieren und bietet ein ganzheitliches Erleben von Mensch und Natur. Für die Umsetzung dieser Ziele arbeitet man in Afrika weitestgehend mit Partnern, Hotel- und Lodge-Betreibern zusammen, die sich in lokalen Gemeinden engagieren, Stiftungen zur Hilfe der lokalen Bevölkerung oder Schulen gegründet haben oder unterstützen. Ausführliche Informationen unter: www.ajimba.com

 


Holger Asche, Sie haben 2017 gemeinsam mit Frank Wardenberg im Souterrain Ihres Hauses in der Worpsweder Straße in Findorff »Ajimba African Tours« gegründet. Was hat Sie veranlasst und motiviert, sich im Alter von über 50 Jahren als selbstständige Unternehmer ein nachhaltiges Unternehmen für Reisen nach Afrika zu gründen ?

 

Holger Asche: Nach einem Berufsleben in großen Tourismuskonzernen mit diversen Reorganisationen und allen Auf‘s und Ab‘s, die man erleben kann, wuchs in mir irgendwann der Wunsch, meinen eigenen Weg zu gehen; auch um frei von Konventionen und Konzernzwängen zu werden. Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen. Frank Wardenberg, den ich  schon seit vielen Jahren kenne, war in einer ähnlichen beruflichen Situation. Während Frank über eine hohe Kompetenz im Bereich »Sales und Marketing« verfügt, liegen meine Stärken im operativen Geschäft. Wir sind beide mit Südafrika sehr vertraut und verbunden. Viele berufliche und private Reisen nach Afrika ließen in uns den Wunsch entstehen, unser eigenes Reiseunternehmen aufzubauen: Spezialisiert auf das südliche Afrika ergänzen wir uns heute perfekt – gemeinsam mit dem dritten Mann vor Ort in Afrika, Jan Seidel, der in Südafrika geboren wurde und in Johannesburg lebt. 

 

Frank Wardenberg: Nachhaltigkeit ist mir privat ganz wichtig. Seit drei Jahren habe ich kein Auto mehr, sondern nutze Car Sharing. Mein Ziel ist, bewusst mitzuhelfen, die Umwelt zu schonen. Auch beruflich war ich schon immer am nachhaltigen Reisen interessiert – und beteilige mich außerdem an vielen sozialen Projekten. Seit vier Jahren bin ich in Bremen für die Non-profit-Organisation »Labdoo.org« tätig: Ich sammle alte Laptopspenden und spende sie für Schulprojekte auf der ganzen Welt. Daraus entwickeln sich wiederum Kontakte und Gelegenheiten um weitere Mitstreiter zu finden. Irgendwann möchte man sein berufliches Leben bewusst gestalten. Unsere übergeordnete Fragestellung bei der Entwicklung von »Ajimba African Tours« war ganz einfach: Was würden wir uns selbst wünschen, wenn wir auf Reisen gehen ? Welche Bedürfnisse und Ansprüche hat unsere Generation, wenn wir auf Reisen gehen ? Daraus entwickelte sich für uns folgender Ansatz: »Wir wollen das Freiwillige Soziale Jahr für die Generation 45+ in einer Woche bieten«. Wir sind ja keine »Young Traveller« mehr, wie in unserer Jugend. Wir möchten heute nicht mehr in Stockbetten schlafen und erwarten einen gewissen Komfort. Wir denken also im Prinzip genauso wie unsere spezielle Zielgruppe – und kennen die Wünsche und Erwartungen. So wie wir es seit Jahren machen, laden wir auch unsere Gäste zu Projekten vor Ort ein, um auch andere Seiten Afrikas im Urlaub zu vermitteln. Wir arbeiten daran in Südafrika Partner und Mitstreiter zu gewinnen, die unsere Philosophie teilen. Wir finden es wunderbar, wenn sich über »Ajimba African Tours« auch unsere Gäste einbringen und engagieren. Dadurch können persönliche Kontakte und gute Bindungen vor Ort entstehen. 

 

Abseits von üblen Afrika-Klischees à la »Heia Safari« oder abgeschotteten Luxus-Safaris steht »Ajimba African Tours« für ein bewusstes, nachhaltiges und faires Reisen in das südliche

Afrika. Im direkten Vergleich zu anderen Reiseunternehmen, die ebenfalls Afrikareisen im Angebot haben: Wie unterscheiden Sie sich von Ihrer Konkurrenz ? Was machen Sie anders als die konventionellen Anbieter ? 

 

Holger Asche: Wir unterscheiden uns beispielsweise dadurch, dass wir vorrangig auf lokale Partner setzen. Unsere Partner  suchen wir sehr sorgsam vor Ort aus, achten auf Fairtrade-Zertifikate und wollen, dass unsere Dienstleister und deren Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden. Wir arbeiten »down to the basics«, aber selbstverständlich mit erstklassigem Komfort und qualitativ hochwertigen Produkten, die von lokalen Märkten kommen. Weil die lokale Bevölkerung dadurch partizipiert, wirkt sich dieser Ansatz auch positiv auf unsere Gäste aus. Unser Angebot bietet natürlich auch die Pirschfahrt durch den Nationalpark, aber eben auf Wunsch auch den Besuch mit Einblicken in die Arbeit von Naturschutz- und sozialen Projekten oder an einer Schule, wenn bspw. Laptops übergeben werden. 

 

Sie versprechen Ihren Gästen im Land ein ganzheitliches Erleben von Mensch und Natur. Auf welche Weise wollen Sie Ihre Gäste mit Land, Kultur, Menschen, Natur und Tieren vertraut machen ?  

 

Frank Wardenberg: Wir sind sehr sorgsam bei der Wahl unserer Partner vor Ort. Wir initiieren Möglichkeiten, dass unsere Gäste Land und Leute kennenlernen, sich wohlfühlen und dann hoffentlich gerne wiederkommen. Dadurch tragen wir dazu bei, dass vor Ort für die einheimischen Partner höhere Einnahmen generiert werden. Das Erlebnis der einzigartigen Natur-, Tier- und Pflanzenwelten ist ganz klar ein großer Pluspunkt unserer Afrikareisen. Wir verstehen  uns als Katalysator für Erholung und soziales Engagement vor Ort und bringen so Menschen zusammen. 

 

Welchen Einfluss können Ihre Kunden im Vorfeld auf eine individuell gestaltete Reiseplanung nehmen ? 

 

Holger Asche: Als kleines, spezialisiertes Reiseunternehmen nehmen wir uns viel Zeit, um im Gespräch die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden abzufragen. Wir geben aber auch gern individuelle Anstöße. Beispiel Kapstadt und umzu: In dieser Region spielen Kultur, Genuss und Wein eine sehr große Rolle – und das zu einem äußerst günstigen Preis ! Wir zeigen unseren Gästen ganz konkret, wie der Weinanbau dort funktioniert und erfolgreich ist. Bereits seit einiger Zeit sind südafrikanische Weine im Ausland völlig zurecht immer stärker nachgefragt.

 


Wir werden gern persönlich.

 

Ist nachhaltiges Reisen teurer als konventionelle Angebote ? 

 

Frank Wardenberg: Nachhaltiges Reisen muss nicht teurer sein.Wir werden in der Beratung gern persönlich – und ermitteln im Gegensatz zu anderen Anbietern, die standardisierte Reiseangebote machen, in längeren Gesprächen sehr intensiv die individuellen Bedürfnisse unserer Gäste. Wir haben festgestellt, dass wir trotz dieses erhöhten, aber für alle Beteiligten sehr lohnenswerten Aufwands im Vergleich für eine maßgeschneiderte Reise sehr gut abschneiden – und wir bieten ausgezeichnetet Qualität. 

 

Wir kommen zur unausweichlichen Preisfrage: Wie viel kostet bei »Ajimba African Tours« eine dreiwöchige Reise ? 

 

Holger Asche: Eine dreiwöchige Reise mit einem »normalen« Programm kostet pro Person ca. 3.000,00 Euro. Teurer wird es, wenn der Gast freiwillig den durch seinen Flug bedingten CO-Ausstoß begleicht. Auch wer unbedingt die Weihnachtszeit am Kap verbringen möchte, zahlt schnell mal deutlich mehr. 

 

Faires und nachhaltiges Reisen ist für »Ajimba African Tours« von großer Bedeutung. Wie setzen Sie diesen hohen Anspruch in der Praxis konkret um ? Können Sie ein Beispiel nennen ? 

 

Frank Wardenberg: Wir von Ajimba schauen auf kleine Anbieter, die sich stark für die lokalen Gemeinden engagieren. So ist »KARIEGA« im Eastern Cape ein privates, familiengeführtes Game-Reserve, welches mit kleinen Lodges seinen Gästen das Safari-Erlebnis nah bringt und gleichzeitig über seine Stiftung Schulen und Bildung der Kids und Jugendlichen fördert, die dann als Mitarbeiter bei »KARIEGA« auch eine Chance auf ihr selbstbestimmtes Leben bekommen. So lässt sich die Faszination Afrika vorteilhaft für beide Seiten entdecken.  

 

Laut CO-Rechner der gemeinnützigen Gesellschaft »Klima-aktiv« ist ein Passagier bereits auf einem Economy-Flug von Düsseldorf nach Mallorca und zurück für den Ausstoß von 0,75 Tonnen CO verantwortlich. Umweltexperten sagen: Verzicht ist stets die erste Wahl. Wie gehen Sie mit dieser Empfehlung um ? 

 

Holger Asche: Nach Afrika kommt man auch als ökologisch bewusst Reisender nicht unbedingt per Bahn oder Schiff. Man fliegt mit dem Flugzeug. Wir wissen natürlich: Fliegen ist teuer und schädlich für das Klima. Aber Menschen wollen und sollen sich auch weltweit begegnen und tausende von Arbeitsplätzen hängen davon ab. Weil der Flug mit dem Flugzeug auch für unsere Gäste der Standard ist, sollte man über eine Kompensation nachdenken. Wir kooperieren mit der Klimaschutzorganisation »atmosfair«, die für aktiven Klimaschutz in der Reisebranche steht. »atmosfair« investiert die CO-Abgaben unser KundInnen, für die sie sich freiwillig entscheiden können, in lokale Projekte; u. a. in Afrika. Das ist, was wir machen können. Man sollte dabei wissen: Wenn wir die Abgabe automatisch in den Reisepreis einrechnen würden, würde hierauf Mehrwertsteuer fällig. Das sollte die Politik ändern. Die momentane Alternative ist: Reisende können den Preis des Fußabdrucks freiwillig an eine Klimaschutzorganisation spenden. Dann ist es eine Leistung ohne Mehrwertsteuer und es gibt eine Spendenquittung dazu. 

 

Sie haben sich auf das südliche Afrika fokussiert  ...  

 

Frank Wardenberg: Mit uns kann man nach Südafrika, Namibia, Simbabwe und Swasiland reisen. Aber es sind auch Trips nach Botswana, Mosambik und Sambia möglich. 

 

Sie steuern Ihr Unternehmen überwiegend von Findorff aus. Wie sind Sie vor Ort in Afrika präsent und welche AnsprechpartnerInnen gibt es für Ihre Gäste während der Reise ?

 

Holger Asche: Wir haben eine erfahrene Partneragentur, die für unsere Gäste in Afrika 24 Stunden am Tag präsent ist und unterstützt. Für die operativen Leistungen kommt unser Partner Jan Seidel ins Spiel: Er ist Südafrikaner, lebt in Johannesburg und steuert vor Ort die Planung und Organisation unserer Projekte. 

 

Was bedeutet eigentlich der Name »Ajimba« ? 

 

Frank Wardenberg: Der Name wurde an einem verregneten Sonntag in Johannesburg geboren. Es sollte mit »A« anfangen, sowohl englisch wie deutsch gut klingen und eine Assoziation zu Afrika aufbauen. »Ajimba« ist auch ein afrikanischer Vorname, dessen Bedeutung zu unserer Philosophie passt: altruistisch und dynamisch ! 

 

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren ? 

 

Holger Asche: Wir liegen gut in unserem Zeitplan und das erste Jahr ist rasch vergangen. Erfahrungsgemäß gestaltet sich das dritte Jahr am schwierigsten, aber wir bleiben entspannt. 

 

Ich war noch niemals in New York, aber auch noch nicht in Afrika. Haben Sie einen Geheimtipp für unsere LeserInnen ? 

 

Simbabwe entwickelt sich zu einem Geheimtipp. Das Land hat sich grundlegend positiv verändert: Es ist am Beginn einer neuen Demokratie, ist sicher, hat freundliche Menschen und bietet eine atemberaubende Natur. Wann möchten Sie buchen ?

 

Interview: Holger Brands, Mathias Rätsch, Foto: Kerstin Rolfes, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 7, 2018