MODE, SCHMUCK UND ACCESSOIRES BEI MODISIGN


Bewegungen setzen Gegenbewegungen in Gang.

Simone »Mo« Stöbel ist immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Entdeckungen am unendlichen Kleiderhimmel, die sie zuerst persönlich begeistern müssen. Schwerpunkt ist Mode aus Dänemark und Schweden. »Modisign« sind ein Team mit fünf Personen. Es gibt zur Zeit die Marken Zeitlos, Luukaa, Finesse, Klok, Blusbar & Mariedal design (Schweden) sowie Boris Industries (Holland) und dazu ein ausgesuchtes Angebot an Schmuck und Accessoires – und einige Kundinnen behaupten, die Auswahl an Gürtelschnallen und Wechselgürteln wäre in der Admiralstraße 158 so groß wie nirgendwo in Bremen. Mehr unter www.modisign.de

 


Sie haben vor Jahren etwas getan, was sich viele Menschen im ewig gleichen Job auch oft wünschen: noch einmal völlig neu anzufangen. Vom Beruf der Krankenschwester in die Selbstständigkeit mit eigenem Modegeschäft in Findorff. Wie kam es dazu ? 

 

Ich war damals in einem Pflegeheim im Nachtdienst tätig. Ich wurde krank und in der Folge arbeitslos. Ich habe in dieser Situation die ganze Zeit überlegt, was ich tun könnte – was mich aber gar nicht weitergebracht hat. Auch mein Konto war schnell in den »Miesen«. Ich habe dann getan, was ich schon als Jugendliche gemacht habe: Auf Märkten Schmuck verkauft. Alles Weitere ist Schritt für Schritt passiert.

 

Die Adresse von »Modisign« ist gut zu merken: die Admiralstraße 123 (Anmerkung: heute nach dem Umzug Admiralstraße 158) Dieser Straßenzug ist eher unspektakulär – auch in Konkurrenz zur Hemmstraße. Warum dann doch genau hier ?

 

Lange vor meiner Entscheidung habe ich die Ladengeschäfte in Findorff im Auge behalten – besonders mein heutiges Geschäft. Ich habe auch vorab gehorcht, was die Miete wohl so kosten würde. Dann hat der Inhaber gewechselt – das war vorher in meinen heutigen Räumlichkeiten der bekannte Fotograf Phil Porter. Im Rückblick betrachtet war er es, der für diese Adresse ein positives Image aufgebaut hat. Der Standort war durch ihn schon positiv besetzt; sonst hätte ich das Geschäft nicht übernehmen können. 

 

Die Mode und das Ambiente von »Modisign« überzeugen und sind äußerst charmant. Etwas gemein gefragt: Wie wichtig sind im »Zalando-Zeitalter« eigentlich noch die Beratung und das haptisch-visuelle Erlebnis bei der Anprobe vor Ort ? 

 

Mode ist für mich gut, wenn sie bequem, alltagstauglich und qualitativ hochwertig ist – und glücklich macht ! Bezogen auf die Entwicklung zum Shoppen im Internet bin ich fest überzeugt, das Bewegungen auch immer Gegenbewegungen in Gang setzen. Ich behaupte, dass die ganzen Frauen, die ständig die vielen, vielen Pakete hin und her schicken, irgendwann die Nase voll davon haben und sich sagen: Jetzt gehe ich aber los, finde genau das, was ich haben will, freue mich und gehe damit begeistert nach Hause.

 

Sie haben mir als Reaktion auf das letzte Thema unserer Meinungsrubrik »Einzelhandel in Findorff« am Telefon gesagt, dass Sie unbedingt an die Zukunft von Ladengeschäften glauben.

 

Ich denke, Menschen vereinzeln heute tatsächlich nach und nach immer mehr. Was war und ist bis heute ein Friseursalon? Es ist ein Ort um sich auszutauschen, Neuigkeiten zu erfahren und mit netten Menschen in Kontakt zu kommen. Genau das sollte auch ein stationäres Ladengeschäft sein – wenn es denn gut geführt ist.

 

Kleidungsstücke gibt es bei Ihnen auch in Bioqualität. Ist das nur ein Trend oder eine nachhaltige Entwicklung ?

 

Wenn es so wäre, wie ich es mir wünsche, dann wäre alles, was ich anbiete in Bioqualität verfügbar. Ich habe damit ein besseres Gefühl und und kann deshalb auch besser überzeugen. Tatsächlich ist es aber nie so, das jemand hereinkommt und sagt »Ich hätte gern ein biozertifiziertes Kleidungsstück gekauft.« Schade.

 

 


Das Shopsystem habe ich mir gekauft.

Wie definiert sich Biomode ? Warum ist sie immer etwas teurer ?

 

Die Definition ist etwas zweischneidig: Es gibt kleine Labels, die sehr bewusst in Bioqualität produzieren, bei der Färbung genau darauf achten, welche Stoffe verwendet werden und die EU-Kriterien einhalten. Weil aber Zertifizierung richtig kostet, können die sich das nicht leisten. Größere Labels können das hingegen locker stemmen. Ja, leider gibt es einen Preissprung. Das ist so.

 

Sie bieten auch ausgewählte »Schmuckstücke« von Dansk Smykkekunst, Lunamore und Cultue Mix an – aber keine eigenen Kollektionen mehr, wie einst auf dem Findorffmarkt. 

 

Ja, das waren die wilden Anfänge, aber aus Zeitgründen komme ich heute nicht mehr dazu. Das bedauere ich manchmal etwas.

 

Ausgesuchte Teile aus dem Sortiment sind auch im Internetshop online unter www.modisign.de bestellbar. Wie haben Sie sich die dafür notwendigen Multi-Channel-Fähigkeiten aufgebaut ?

 

Das Shopsystem habe ich mir gekauft. Die Einführung hat wenige Stunden gedauert. Ich bin gleich damit zurecht gekommen. Aber es ist so: Wenn der Onlinehandel laufen soll, muss man dranbleiben und Geld für die Vermarktung in die Hand nehmen. Mit kleinem Etat nutze ich vor allem facebook und google.

 

Darf man bald auch auf Männermode bei »Modisign« hoffen ?

 

Selbstverständlich; sobald es mir möglich ist. Aber auf 25 qm ist nur begrenzt Fläche, um ein großes Angebot zu führen, ohne das es gleich fürchterlich voll wird. Es ist auch nicht ganz richtig, dass »Modisign« kein Angebot für den Herren hat. Wir führen für »ihn« zum Beispiel Uhren, Ledergürtel und Gürtelschnallen. Das ist doch schon einmal ein guter Anfang für die Männer.

 

Interview: Mathias Rätsch, Foto: Norbert A. MüllerInterview erschienen in Ausgabe Nr. 2, 2017

 

© Norbert A. Müller
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