GALAKONZERT MIT DEM »MATHIAS EICK QUINTET« IN DER »GLOCKE«


Trompete zu spielen gibt mir eine große Freiheit.

Der norwegische Trompeter Mathias Eick ist ein musikalisches Allround-Talent. Seit über 20 Jahren ist er Teil der modernen norwegischen Jazz-Szene. Mit der aktuellen CD »Ravensburg« erweist Eick der Heimatstadt seiner deutschen Großmutter seine Reverenz: In den Tiefen seiner Musik entfaltet er einen drängenden Rhythmus und eine unglaubliche melodische Tiefe und Sensibilität. Das »Mathias Eick Quintet« spielt gemeinsam mit »Trail of Soul« das Galakonzert am Freitag, 26. April, in der »Glocke«. www.mathiaseick.no

 


Auf Deiner aktuellen CD »Ravensburg« heißt das erste Stück »Family«. Inwieweit inspiriert Dich die Familie zu Deiner Musik ?

 

Ich bin jetzt 39 Jahre alt, gebe Konzerte in der ganzen Welt und arbeite mit den unterschiedlichsten Menschen. Wie Du weißt, habe ich drei kleine Töchter, von denen eine in die Schule kommt. Das ändert für uns nochmal sehr viel. Du möchtest mehr zuhause sein. Insofern macht man sich Gedanken, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Das Album »Ravensburg« ist tatsächlich sehr von meinem eigenen Familien- und Freundeskreis inspiriert.

Ein weiteres Stück heißt »For My Grandmothers«.

 

Welche Bedeutung haben Deine beiden Großmütter für Dich ?

 

Ich hatte zwei Großmütter in zwei verschiedenen Ländern. Meine deutsche Großmutter hat in Ravensburg bei München gewohnt und meine norwegische Großmutter in der Nähe von Oslo. In meiner Kindheit habe ich die Sommer in Deutschland verbracht. Meine deutsche Großmutter hatte im Wohnzimmer ihres Hauses ein großes Piano, auf dem ich auch spielen durfte. Bei ihr war es jedes Mal sehr aufregend und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Bei meiner Großmutter in Norwegen war ich jede Woche. Auch sie hatte ein Piano im Haus, auf dem ich Unterrichtsstunden bekam. An jedem Dienstag war die Belohnung für das Üben ein Comic von »Donald Duck«. Mit meinen beiden Großmüttern verbinde ich tolle Zeiten.

 

Du spielst verschiedene Instrumente wie Kontrabass, Vibraphon, Piano und Gitarre. Warum ist die Trompete Dein bevorzugtes Instrument geworden ?

 

Sie ist für mich sehr leicht zu transportieren (lacht). Man kann auf der Trompete wunderbare Melodielinien entwickeln – und hat großartige Möglichkeiten zu improvisieren. Als ich sechszehn Jahre alt war, habe ich sehr viel Energie in das Erlernen dieses Instruments gesteckt und gemerkt: Es macht Spaß. Trompete zu spielen gibt mir als Musiker eine große Freiheit.

 


Es ist eine Ehre für uns, auf der »jazzahead!« als Musiker unser Heimatland Norwegen zu vertreten.

Ein Traum von Dir ist, mit Jan Gabarek irgendwann einmal Kaffee zu trinken. Ist Dir das inzwischen gelungen ?

 

Nein ! Jan Gabarek ist seit meiner Jugend einer meiner ganz großen Jazzhelden. Aber er ist privat ein äußerst zurückhaltender Mensch. Wenn man etwas über ihn erfahren möchte, sollte man es in seiner Musik suchen. Diese Haltung kann ich gut verstehen und respektiere sie. Aber vielleicht klappt das gemeinsame Kaffeetrinken ja doch noch einmal.

 

Du bist auf Deinen Tourneen viel in der Welt unterwegs. Wie gelingt es Dir dabei, einen Ausgleich zwischen dem Tourleben als Musiker und Deinem Privatleben zu finden ?

 

Ich spiele ja sehr viel mit meiner Band, aber auch mit anderen MusikerInnen. Im letzten Jahr habe ich länger pausiert, weil ich etwas müde war. Ich habe dann gemerkt: Es ist gut, auch Ruhephasen einzulegen und sich viel mehr der Familie zu widmen. Aber dann will ich als Musiker auch wieder auf Tour gehen. Wichtig ist, die richtige Balance zu finden. Darum dreht es sich im Leben: für sich selbst eine natürliche Balance zu finden.

 

Du gibst viele Konzerte in Deinem Heimatland Norwegen. Sind Auftritte in Deiner Heimat für Dich einfacher ?

 

Es ist schon äußerst komfortabel im eigenen Land zu spielen. Konzerte in Sør-Norge (Südnorwegen) sind am einfachsten. In Nord-Norge (Nordnorwegen) zu spielen ist dann schon fast wie ein Flug nach Italien. Ich spiele aber auch sehr gern Konzerte in Berlin oder München, auch weil die Entfernung zwischen Norwegen und Deutschland vergleichsweise kurz ist.

Im neuen Jahr geht es allerdings zunächst sofort über den atlantischen Ozean in die USA.

 

Wo werdet Ihr auftreten ?

 

Es geht nach New York ! Wir haben Gigs nah am Broadway auf dem »NYC Winter Jazzfest« sowie auf dem legendären »Rochester International Jazz Festival«. Im März haben wir einen Auftritt auf dem »Knoxville‘s Big Ears Festival« in Tennessee. Außerdem spielen wir in Kanada. Mir gefällt die Idee, große Konzerte auf großen Festivals zu spielen.

 

Im April ist es dann endlich so weit: Du kommt zu uns nach Bremen. Das »Mathias Eick Quintet« spielt auf dem Festival der diesjährigen »jazzahead!« das große Galakonzert in der »Glocke«. Partnerland der »jazzahead!« ist in diesem JahrDeine Heimat Norwegen – ein Land, das seit vielen Jahren für eine sehr kreative, vielfältige Jazz-Szene steht. Was dürfen wir erwarten ?

 

Es wird großartig werden. »ECM«, das Schallplattenlabel auf dem wir veröffentlichen, ist ja auch in Deutschland ansässig – und das deutsche Publikum ist immer sehr konzentriert und ganz fantastsisch. Es wird ein großes Vergnügen und ist eine Ehre für uns, auf der »jazzahead!« als Musiker unser Heimatland Norwegen zu vertreten. Wir freuen uns sehr auf Bremen.

 

Interview: Gretel Moskal, Mathias Rätsch, Foto: Colin Eick