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ZWISCHENRUF

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PHILLIP FÜRST über DIE Parksituation rund um die Bürgerweide


Das System zeigt nur: Nichts!

Bremen feierte mal wieder Freimarkt – wie immer auf der Bürgerweide, dem wohl größten Parkplatz, den Bremen stadtnah aufzubieten hat. Es war bereits der 984. Freimarkt, wenn ich richtig nachgeschaut habe. 3,8 Millionen BesucherInnen hatte der Freimarkt 2018. Dieses Jahr gab es mit 4, 4 Millionen Gästen einen neuen Rekord. Allein zum Freimarktumzug sollen dieses Jahr ca. 300.000 BesucherInnen gekommen sein. Zum Vergleich: Zu den Samba-Umzügen kommen jährlich ca. 20.000 BesucherInnen in die Stadt. Findet noch gleichzeitig ein Konzert in Halle 7 statt, wie dieses Jahr mit Sarah Connor, darf das Areal Bürgerweide für diese Zeit mit weiteren ca. acht- bis zehntausend BesucherInnen zusätzlich rechnen. 

 

Eigentlich sollte man annehmen, dass Bremen die damit immer wiederkehrenden verkehrstechnischen Erfahrungen bereits in intelligente Parkleitsysteme umgesetzt hat, die dem automobilen Verkehren von auswärts den Weg zu den Parkmöglichkeiten zeigen. Aber weit gefehlt. Das System zeigt nur: Nichts! Wo Parkalternativen in der näheren Umgebung der Bürgerweide bestünden, wird kurzerhand gesperrt oder die Anfahrt erschwert. Wohin jetzt? In den Wohnvierteln in Findorff ist Parken entweder nur für AnwohnerInnen erlaubt oder durch Poller verhindert. Wer trotzdem parkt, wird medienwirksam abgeschleppt. Bleiben alternativ neben Findorff die Wohnviertel um die Parkallee, wo in den letzten Jahren die meisten alten Villen zu Eigentumswohnungen umgebaut worden sind – und vor denen sich die Autos der BewohnerInnen sowieso schon stapeln. Die an die Stadt gezahlten Dispense zur Schaffung von Parkraum verwendet Bremen für noch mehr Poller.

 

Bremen scheint wenig Gefühl dafür entwickeln zu wollen, zu realisieren, wo all diese Leute herkommen und wo sie parken sollen. Scheinbar herrscht die Auffassung, dass ausschließlich BremerInnen zum Bremer Freimarkt und zu den Konzerten gehen und dass diese BremerInnen zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren sollen. Dass Freimarkt und Konzerte auch weit über die Stadtgrenzen hinaus Menschen anziehen, scheint niemanden in Bremen interessieren zu wollen. Man kann ja in die Parkhäuser fahren. Ja, stimmt. Macht das mal! Viel Spaß! Die Parkhäuser sind in Bremen so zwischen Häuserschluchten angelegt, dass anlassbezogenes Verkehrsaufkommen regelmäßig die Zu- und Abfahrt zu den Parkhäusern zu einem Abenteuer machen. Nicht nur Werder-Fans können ein Lied davon singen. Es ist ja nicht nur der Freimarkt, der die Stadt im Verkehrschaos versinken lässt. Es ist jeder bessere Anlass. Es ist ein gemachtes und gewolltes Problem. 

 

Man konnte gerade lesen, dass ZECH Bau das Kaufhofgebäude und die Gebäude drumherum gekauft hat. Die BremerInnen wissen, dass die Planungen für dieses Areal den Abriss des Parkhauses Mitte bedeuten. Die Stadt freut sich schon. Und macht Druck. Zu welchen Bedingungen und wie lange gebaut werden darf und wann der Gesamtkomplex fertig sein muss, ist festgeschrieben. Man liest, dass es sogar Vertragsstrafen geben soll, wenn verschuldete Verzögerungen eintreten. Donnerwetter! Mit dieser Wucht hätte Bremen mal das Projekt A 281 realisieren sollen. Wir könnten schon lange durch den neuen Wesertunnel in Seehausen nach Süden und Norden fahren, ohne Bremen durchqueren zu müssen. 

 

Oft ist es gar nicht möglich, das Auto auf der Bürgerweide abzustellen. Mal ist Freimarkt, mal Messe, mal Zirkus, mal Schlagerfest, mal was anderes. Das Blöde daran: Man wird mit dem Problem immer erst konfrontiert, wenn man in Schwachhausen bereits in der Hollerallee angekommen ist. Es ist generell schon ein Problem, diesen Stadtteil anzufahren. Die Wohnviertel sind eng, die Parkmöglichkeiten begrenzt. Besonders betroffen: die Unternehmen, die in diesen Vierteln ihr Gewerbe betreiben. 

  


Die Lösung liegt aber doch nicht darin, dass man die Stadt verbarrikadiert. Einfach mal anders denken!

 

Es sollte auch in Bremen so viel Toleranz gegenüber dem geschmähten Autoverkehr herrschen, dass man diesen nicht einfach wegdiskutieren kann und damit das Problem glaubt erledigen zu können. Man kann die AnwohnerInnen verstehen, die den zunehmenden Verkehr in besonderen Zeiten als störend empfinden. Die Lösung liegt aber doch nicht darin, dass man die Stadt verbarrikadiert. Einfach mal anders denken! Wer sagt denn, dass der Freimarkt auf der Bürgerweide stattfinden muss? Wenn die damit verbundenen Verkehre nicht vernünftig geführt werden können, warum verlegt Bremen dann den Freimarkt nicht einfach dahin, wo Platz ist? Wie wäre es mit dem Areal der Galopprennbahn? Oder wie wäre es, Parkflächen unter dem Wall so anzulegen wie es Heidelberg unter der gesamten Altstadt getan hat? Wie wäre es, mal mit den Niedersachsen über öffentlichen Nahverkehr zu sprechen? Über einen Nahverkehr, der den Namen auch verdient. Lesebeispiel: Bonn!  

 

Haben die BremerInnen schon einmal realisiert, was es zum Beispiel aus Garlstedt verkehrstechnisch zurzeit bedeutet, ein Werder Spiel zu besuchen oder den Bremer Freimarkt?

Mein Vorschlag bis zu einer qualifizierteren Lösung: Bremen sollte in ihren Parkleitsystemen bei Veranstaltungen, die die Bürgerweide beanspruchen, wenigstens die Parkplätze am Juridicum und gegenüber an der Enrique-Schmidt-Straße einbeziehen und einen Shuttleverkehr in kurzen Zeitintervallen bis weit nach Mitternacht in beide Richtungen sicherstellen. Straßenbahnen könnten zu den Hochzeiten in kurzen Intervallen zwischen Bahnhof und der Universitätsallee hin- und herfahren.

 

Also liebe BremerInnen: Mit einem bisschen guten Willen, ein paar durchsetzungsstarken Ideen und ein wenig entspannter gegenseitiger Rücksichtnahme könnte was gelingen. Kommt endlich raus aus Eurer linken Ecke!

 

Philipp Fürst ist Rechtsanwalt in Bremen und betreibt eine Kanzlei für gewerblichen Rechtsschutz in der Parkallee. Er sagt: »Wie oft und wie lange habe ich schon stundenlang auf MandantInnen warten müssen, denen es einfach nicht gelang, in der Umgebung einen Parkplatz zu finden.« www.philippfuerst.de


 

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