FRANK BRUNHORN ÜBER DEN TREND ZUM LOKALEN HANDEL


Unsere Welt ist ›smarter‹ geworden.

»EP:Brunhorn« in der Hemmstraße 150 ist im Stadtteil der erfahrene Markenpartner für Hersteller wie Loewe, Metz, Technisat, Kathrein, Panasonic, Samsung, Denon, Pioneer, Canton, Elac, Sonos, Sonoro, Siemens, Liebherr, Miele, Delonghi, Saeco, Nivona, AVM und Apple. Inhaber Frank Brunhorn (53) ist ausgebildeter Radio- und Fernsehtechnikmeister. Seit 2005 führt er gemeinsam mit Schwester Petra in zweiter Generation das Geschäft des Vaters. Privat lebt

Frank Brunhorn mit Frau und Kindern in Bremen. Neben der Begeisterung für Technik, die er schon als Kind hatte, spielt er Schlagzeug in seiner Band. Mehr über die wunderbare Welt der Elektronik gibt es auf www.epbrunhorn.de

 


Moin Herr Brunhorn, Sie sind Inhaber von »EP:Brunhorn Electronic- Partner« in der Hemmstraße 150. Es ist Vorweihnachtszeit. Welche Geschenktipps aus der wunderbaren Welt der Unterhaltungs- und Haushaltselektronik haben Sie für unsere LeserInnen ?

 

Unsere Welt ist »smarter« geworden. Das heißt: In unseren Tagesabläufen findet permanent eine  Verbindung zu Technik und Internet statt. Egal ob Mobilität, Ernährung, Gesundheit, Bildung oder Freizeit – überall nehmen digitale »Gadgets« an unserem Leben teil. Das Smartphone ist zum wichtigsten Begleiter der Menschen geworden. Es ist ein »Must-have«, das, getrieben durch die ständige Weiterentwicklung von Leistung und Ausstattung auf vielen Wunschlisten ganz weit vorn liegt. Das passende Zubehör ist fast noch wichtiger: Smartwatch oder Fitnesstracker, Brillen mit Smart-Funktionen, kabellose »Ohrstöpsel« oder kabellose Lautsprecher, mobil oder auch für das Zuhause. Auch Tablet-PCs und Notebooks zählen derzeit zu den familiären Investitionen, forciert durch den Trend zu Homeoffice, Homeschooling und Video-Chats, beispielsweise zwischen EnkelInnen und ihren Großeltern. 

Gibt es Produkte als Highlights in Ihrem Sortiment, die Sie besonders empfehlen können ?

Die Pandemie hat auch »Entschleunigung« als Thema gesetzt. Viele wollen wieder mehr Zeit, also warum nicht ganz »oldschool« mit einem neuen, analogen Plattenspieler die alten Schallplatten vom Dachboden reaktivieren. Und auch das geht in Verbindung mit drahtlosen Streaming-Lautsprechern, die heute ansonsten die Musik vom Smartphone wiedergeben.

 

Nach den wenig erfreulichen letzten Monaten für ein lokales Fachgeschäft, das coronabedingt zeitweise sogar schließen musste: Wie wichtig ist die Vorweihnachtszeit für den Umsatz ?

 

Nach wie vor ist die Vorweihnachtszeit die wichtigste Jahreszeit für den Handel. Aber es gibt bei weitem nicht mehr so extreme Unterschiede im Umsatz im Vergleich zu den restlichen Monaten im Jahr, wie noch vor zwanzig oder dreißig  Jahren. Es gibt nicht mehr das wichtige »Weihnachtsgeld« wie früher. Viele Menschen sind heute ganzjährig liquide. Persönlicher Bedarf wird heute viel schneller befriedigt – und problemlose Null-Prozent-Finanzierungen der Banken haben den Trend beflügelt.

 

Ich habe einmal bei Ihnen im Geschäft erlebt, wie Sie geduldig und sehr, sehr lange mit einem Kunden gesprochen haben, der fest davon überzeugt war, dass der von ihm in den Blick genommene Fernseher im Internet viel günstiger zu haben wäre. Sie hatten gute Argumente für einen lokalen Kauf, aber der Kunde wollte anscheinend nur schlau reden. Ich wäre im Gespräch irgendwann ausgerastet, aber Sie sind sehr geduldig geblieben. Wie oft am Tag kommt in der fachlichen Beratung ein derart nerviges Kundengespräch vor ?

 

Solche Gespräche sind weniger geworden: Der Unterschied zwischen »online« und »lokal« ist bei durchschnittlich bis gut gebildeten MitteleuropäerInnen mittlerweile durchaus bekannt (lacht). Die meisten KundInnen, die bei uns kaufen,  können die Kosten und den Nutzen für sich einordnen. Mein Argument ist nach wie vor: Wer von der Globalisierung mittlerweile nicht mehr ganz so überzeugt ist, sollte sich lieber auf das kleinstmögliche Netzwerk rund um Heimat und Familie fokussieren: Das ist die Stadt und in der Stadt der Stadtteil, in dem man lebt. Nicht nur bei Ernährung ist regional ein Trend – diese Entwicklung gilt auch für den lokalen Handel. Unser Werbeslogan als Geschäftsleute in Findorff »Lass die Kohle im Dorff !« ist bewusst ein Appell. Die FindorfferInnen sollen wissen: Wir sind Dein »Dorff« – und es ist das schönste Dorff unserer Stadt !

 

Sie betreiben im Verbund der »ElectronicPartner« eines von ca. 5.000 Fachgeschäften und Fachmärkten. »ElectronicPartner« ist eine der größten europäischen Verbundgruppen in den Bereichen Unterhaltungs- und Haushaltselektronik, IT, Multimedia und Telekommunikation. Welche Vorteile hat dieser Zusammenschluss für Sie und Ihre KundInnen ?

 


Wir entwickeln für unsere KundInnen Lösungen.

Der Verbund garantiert unsere Warenversorgung. Er umfasst weit mehr als 1.000 HändlerInnen, wovon in Deutschland über 300 unter der Marke »ElectronicPartner« firmieren. Mit den HerstellerInnen werden jährlich akzeptable Konditionen zentral ausgehandelt, die uns einen wettbewerbsfähigen Handel in einem sehr transparenten Markt ermöglichen. Nur so sind wir als Händlergemeinschaft stark und wettbewerbsfähig – das ist in unserer Branche absolut überlebenswichtig.

 

»EP:Brunhorn« ist auch online hervorragend aufgestellt. Es gibt unter www.ep.de/brunhorn einen Online-Shop und einen Blog mit aktuellen Themen. Außerdem machen Sie

auch on- und offline Werbung in Findorff. Wie wichtig ist lokales Marketing im Stadtteil für Ihr Fachgeschäft ?

 

Ein großer Teil der KundenInnen möchte lokal kaufen, orientiert sich vorab aber nunmal gern online. Und da gilt es, die vorhandene Leistungsfähigkeit unseres seit über 30 Jahren bestehenden Geschäftes mit einer eingespielten Mannschaft in aller Klarheit und Professionalität nach außen darzustellen. Dabei ist unsere Internetpräsenz mit integriertem Shop mehr als eine »Visitenkarte« oder ein Onlinehandel. Auf unserer Seite wird informiert. Wir stellen fest: Vornehmlich am Wochenende wird zunehmend auch aus unserem Stadteil in unserem Online-Shop bestellt, um dann werktags die reservierte Ware im Laden abzuholen. Unser technischer Kundendienst fährt täglich alle Stadtteile an. Dadurch können wir eine schnelle Auslieferung der Waren an unsere KundInnen ermöglichen.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des Findorffer Einzelhandels angesichts der anhaltenden Coronakrise ?

 

Immer mehr Verbände und Organisationen suchen gezielt den Schulterschluss mit lokalen Anbietern. Ein Beispiel ist aktuell die bundesweite Kooperation der Handelsverbände mit »Signal Iduna« für die Aktion »Nicht nur klicken, auch anfassen !«. Die Pandemie hat ganz klar die Schwächen des globalen Handels aufgezeigt. In der Krise kann sich besonders der lokale Handel mit allen Stärken präsentieren: Wir sind schnell, flexibel und  kundennah. Der Preis steht dabei nicht mehr im Fokus. »Geiz ist geil« war gestern. Die Innenstadt und die Stadtteile erhalten überall eine neue Bedeutung. Auch bei uns im »Dorff« haben viele KundInnen verstanden, dass die Erträge und Gewinne aus dem lokalen Handel in Findorff auch zu einem guten Stück weit wieder dem Gemeinwohl dieses Standtteils zu Gute kommen. Überspitzt: Keine Gewinne heißt fehlende Steuereinnahmen. Keine Steuereinnahmen verursachen eine marode Infrastruktur für Schulgebäude, Spielplätze oder Fahrradwege. Briefkastenfirmen globaler Unternehmen in Luxemburg oder auf den Kaimaninseln kommen in der Gesellschaft jetzt noch weniger an.

 

»ElectronicPartner« definieren sich als FachberaterInnen, die im Geschäft beraten, erklären und vorführen. Aber das ist nicht alles. Was leisten Sie noch für Ihre KundInnen ?

 

Ganz einfach: Wir liefern nicht nur Ware, wir entwickeln für unsere KundInnen Lösungen. Wir gehen mit ihnen gemeinsam einen Weg, von einer Idee bis zur Fertigstellung vor Ort. Unsere MitarbeiterInnen verfügen durch regelmäßige Schulungen über umfangreiches Know-how, langjährige Erfahrung und erprobte handwerkliche Fähigkeiten, damit alle am Ende eines Auftrags absolut zufrieden sind.

 

»EP:Brunhorn« ist ein echtes Familienunternehmen: Sie führen die Geschäfte zusammen mit Schwester Petra und Ihrem Vater Günther. Wenn man das ganze Jahr beruflich eng zusammenarbeitet, feiert man dann auch noch zusammen Weihnachten ?

 

Ja, wir sind ein Unternehmen in zweiter Generation, das seit 1983 hier in Findorff besteht. Wir sind außerdem auch Gründungsmitglied des ersten Gewerbevereins in Bremen, dem Findorffer Geschäftsleute e.V.. Einige unserer MitarbeiterInnen begleiten uns bereits seit über 25 Jahren. Wir sind Meisterbetrieb und natürlich Mitglied in Handels- und Handwerkskammer. Ja, wir sind auch ein kleines bisschen stolz auf das Geleistete. Wir glauben daran, mit unserem Handeln ein kleines bisschen mit zur positiven Entwicklung des Stadtteils beigetragen zu haben – und wir wollen weiter dazu beitragen, dass es in Findorff auch in Zukunft einen funktionierenden Einzelhandel gibt. Nochmal ja: Wir verbringen Weihnachten traditionell im Kreis der Familie – in aller Ruhe und bei gutem Essen.

 

Letzte Frage: Was wünschen Sie sich zu Weihnachten und wie ist Ihre Prognose für das neue Jahr ?

 

Wir werden erstmal weiter mit der Pandemie und den damit verbundenen Umständen leben müssen – und sicherlich immer besser und routinierter im Umgang damit werden. Natürlich wünsche ich mir dennoch so schnell wie möglich die »alte Normalität« zurück. Gute und neue Medikamente und irgendwann ein Impfstoff werden uns dabei helfen, die Krise zu überwinden. Ich hoffe für den Einzelhandel und den gesamten Stadtteil, dass der Trend zum »Local Hero« und zur »Dorffgemeinschaft« bestehen bleibt und sich noch vertärken wird. Lassen wir dafür auch nach Corona »die Kohle im Dorff«.

 

Interview: Mathias Rätsch, Foto: Kerstin RolfesInterview erschienen in Ausgabe Nr. 16 , 2020

 

© Kerstin Rolfes
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