KULTUR: »SOMEDAY JACOB« SPIELEN AM 23. AUGUST 2019 IM »ALTEN PUMPWERK«


Den Seventies-Einfluss haben wir gar nicht angepeilt.

Sänger und Gitarrist Jörn Schlüter hat es sich im Gespräch mit FINDORFF GLEICH NEBENAN im letzten Jahr gewünscht und schon passiert es: »Someday Jacob«, momentan Bremens feinste Folkrockband, spielen am Freitag, den 23. August im »Alten Pumpwerk« live in Findorff. Aus diesem Anlass haben wir das Interview mit der Band zur Einstimmung auf ein sicherlich tolles Konzert jetzt auch online gestellt. 

 


Die Band »Someday Jacob« gibt es bereits seit einigen Jahren. Wie seid ihr damals auf die Idee gekommen, eine Band zu gründen ? 

 

Das war ich zunächst alleine. Ich hatte schon viel für andere Leute geschrieben und wollte dann etwas Eigenes machen. Ich bin die ersten zwei bis drei Jahre allein aufgetreten und habe mir gelegentlich jemanden dazu geholt. Eine Zeit lang war Martin am Schlagzeug dabei oder Uli hat als Gitarrist Gigs mit mir gespielt. Dann waren wir manchmal als Trio unterwegs. Schließlich kam unser Bassist Manuel dazu. Zum zweiten Album hat sich das Line-Up gefestigt und ab dem Zeitpunkt fühlte es sich so an, als wären wir eine Band.

 

Was heißt es, die Idee für eine Band professionell umzusetzen ?

 

Man hat ein Album und fängt an zu spielen, wo immer es geht. Man hofft, dass man über die Region hinaus kommt. Das hat bei uns funktioniert. Irgendwann nimmt man ein neues Album auf, spielt dann etwas größere Konzerte und tritt in weiter entfernten Städten auf. Vielleicht ist professionell nicht das richtige Wort. Man trägt Erfahrungen mit sich herum von vorigen Bands oder von dem, was man bei anderen Bands sieht. Man weiß, wenn man bekannter werden möchte, muss man zum Beispiel einen Internetauftritt erstellen. Also tut man die Dinge, die getan werden müssen und das bringt auch Spaß. Man versucht intuitiv, ein stimmiges Bild zu entwickeln.

 

Welche Bedeutung steckt eigentlich hinter dem Bandnamen »Someday Jacob« ? Wer ist dieser geheimnisvolle Herr Jacob  ?

 

Am Anfang wollte ich, dass man an dem Namen erkennen kann: Das ist ein Typ und er singt englisch. So wie bei Songwritern wie »Badly Drawn Boy« oder »Tallest Man of the Earth«. Als ich »Someday Jacob« gegründet habe, habe ich mich viel mit dem alttestamentarischen Jacob befasst. Um diesen Jacob ranken sich absurde Geschichten, in denen er sich zum Beispiel mit Gott prügelt und für den Rest seines Lebens humpelt. Offenbar wird es da richtig gefunden, dass unser Held für sein Leben gebrochen ist. Ich glaube, diese Geschichten sind auf so vielen Ebenen aufgeladen, psychologisch, mystisch und archaisch, dass sie eher einen selbst lesen, als dass man sie liest.

 

Eure Musik ist ziemlich retro. Sie klingt sehr vertraut und erinnert an die Siebzigerjahre und Gruppen wie die britisch-amerikanische Folk-Rock-Band »America«. Ich sage nur Schallplattensammlung der Eltern: Haben euch die Siebzigerjahre beeinflusst – und wie würdet ihr Euren Stil beschreiben ?

 

Mit meinen Eltern hat das nichts zu tun. Die haben ganz andere Musik gehört oder überhaupt keine. Aber Musik war für mich  ein riesiges Thema. Diesen Seventies-Einfluss haben wir am Anfang gar nicht angepeilt und dass der sich in unserer Band in dieser Form hörbar macht, überrascht mich selbst ein bisschen. Auf dem aktuellen Album hingegen wird das Britische, das mich musikalisch eher prägt, etwas deutlicher. Bewusst für einen Stil entschieden haben wir uns nicht. Wir hatten überhaupt keine Vorstellung, wie unsere Songs klingen. Unser erstes Album ist klanglich noch sehr unentschieden. Die ersten Platten sind oft sehr interessant, weil sie noch eine gewisse Offenheit mitbringen. Musik ist gut, wenn Musik ein Fragezeichen hat. Letztendlich mag ich einfach einen guten Sound. Wir hatten das Glück, dass wir mit den Produzenten Ryan Hewitt und Vance Powell zusammen arbeiten konnten, beide mehrfache Grammy-Gewinner. Vance Powell habe ich über meine Arbeit für den »Rolling Stone« kennengelernt. Ich habe ihn gefragt und er hatte tatsächlich Lust, Ryan Hewitt genauso. Das war toll.

 

In der deutschen Rockmusik wurde früher ausschließlich auf englisch gesungen. Doch spätestens seit der »Neuen Deutschen Welle« ist es heute völlig selbstverständlich in der Sprache des eigenen Landes zu singen. Warum singt ihr als deutsche Band im Jahr 2018 wieder auf englisch ?

 

Deutsch war nie eine Option für eigene Songs. Vermutlich ergibt sich das direkt aus meinem Musikgeschmack. Ich schätze und respektiere viele deutsche Künstler, aber getroffen und geprägt haben mich englischsprachige Bands. Außerdem habe ich einen Bezug zum Englischen: Meine Frau ist Engländerin.

 

Ihr habt ja bereits mit internationalen Produzenten zusammengearbeitet. Gab es schonmal den Gedanken, Bremen zu verlassen und vielleicht sogar ins Ausland zu gehen ? 

 

Als wir eine Band geworden sind, waren wir alle nicht mehr 19, sondern hatten uns hier schon ein Leben aufgebaut. Ich bin in Bremervörde geboren. In Bremen bin ich zuhause; schon sehr lange. Es war es nie ein Thema, als Band in die Welt zu ziehen.

 

Seid ihr alle hauptberuflich Musiker oder arbeitet ihr noch in anderen Jobs ?

 

Das ist bei allen unterschiedlich. Ich arbeite seit fast 20 Jahren für den »Rolling Stone«. Außerdem bin ich hier in Bremen in einer Werbeagentur als Texter und Konzepter tätig. Dann arbeite ich noch als Songschreiber für »BMG«. Martin macht auch noch andere Sachen nebenher. Manuel lebt zum größten Teil von der Musik, hat aber auch noch ein Standbein im Grafikdesign. Uli ist der einzige, der komplett von der Musik lebt. Er hat ganz viele Musicals gespielt, ist Studiogitarrist, Tourgitarrist für andere MusikerInnen, produziert selbst Platten und unterrichtet an diversen Hochschulen. 

 


Es war nie Thema, als Band in die Welt zu ziehen.

 

Ihr seid gerade mit eurem dritten Album »Everybody Knows Something Good« auf Tournee gegangen. Wenn man so viel Zeit zusammen verbringt, versteht man sich da immer oder gibt es auch mal Streit  ?

 

Wir kennen uns sehr gut und kommen super miteinander klar. Wir haben auch Potenzial uns zu reiben, aber wir schätzen diese kreative Reibung mehr, als dass uns das verunsichern würde.

 

Wie wild ist das Tourleben eigentlich noch ? Ist an dem gern zitierten Klischee von »Sex, Drugs & Rock’ n‘ Roll« etwas dran?

 

Irgendwo gibt es das bestimmt. Aber ich muss um acht ins Bett.

 

Ihr seid augenscheinlich keine »Boyband«, sondern habt schon Familien. Wie lässt sich das »normale Familienleben« mit Touren und nächtlichen Auftritten vereinbaren ?

 

Wir sind ja keine Band, die 200 Konzerte im Jahr spielt und durch die Welt reist. Wenn wir in diesem Jahr auf 50 Konzerte kommen, sind wir zufrieden. Das ist alles relativ unspektakulär in unseren normalen Alltag integriert. Wenn die Band irgendwann mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, wäre das auch in Ordnung. Das ist nicht mit dramatischen Entscheidungen verbunden.

 

Tretet ihr größtenteils in Bremen auf ?

 

Nein, denn in Bremen muss man, wie in jeder Stadt, immer ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht »totspielt« und die Leute dann nicht mehr kommen. Das heißt, wenn wir auf der »Breminale« gebucht sind und im selben Jahr auf Tour waren, dann überlegen wir schon, ob wir wirklich noch ein drittes Mal auftreten. Wie oft soll man die Leute bitten, zum Konzert zu kommen ?

 

Wie steht ihr zu euren Fans ? Versteht ihr Euch als eine ein Band »zum Anfassen« ? Hattet ihr auch schon mal mit aufdringlichen Fans zu kämpfen ?

 

Unser Publikum besteht aus sehr sittsamen Menschen, die keine »Fans« sind, sondern die unsere Musik gerne mögen und, wenn wir Glück haben, unsere Platten kaufen. Mit denen tauschen wir uns gerne aus und führen schöne Gespräche über Musik. Alles andere entspricht ja auch nicht dem, was bei uns passiert. Wir backen keine riesigen Brötchen.

 

Wir sind ja ein kulturaffines Magazin aus Findorff für Findorff. Wann dürfen wir euch im Stadtteil live begrüßen – und wo würdet ihr bei uns besonders gern spielen ?

 

Wir haben vor einigen Jahren im »Alten Pumpwerk« gespielt und fanden es dort total schön. Das war ein ganz toller und sehr ruhiger Abend, man konnte sehr leise werden. Diese großartige Findorffer Location hat uns ausgesprochen gut gefallen: Also gerne wieder im Pumpwerk  !

 

 

Interview: Leona Ilgner, Mathias Rätsch, Foto: Caspar Sessler, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 6, 2018

 


Über »Someday Jacob«

 

Sänger, Gitarrist und Songschreiber Jörn Schlüter gründete »Someday Jacob« als Soloprojekt. Nach und nach kamen Uli Kringler (Git, Voc), Martin Denzin (Drums, Voc) und Manuel Steinhoff (Bass, Voc) dazu. Die Bremer Band spielt melodischen Seventies-Folkrock – und ist mittlerweile weit über die Stadtgrenzen Bremens hinaus eine bekannte Größe. Ihr aktuelles Album heißt »Everybody Knows Something Good« und wirkt trotz der feinen Sensibilität der Songs unmittelbar und klar. Für das kürzlich erschienene neue Werk – es ist nach dem Erstling »Morning Comes« (2009) und der zweiten CD »It Might Take a While« (2015) die insgesamt dritte Veröffentlichung der Band – gehen »Someday Jacob« diesmal in die Stadt. Ließen die Lieder des Vorgängers bei dem Zuhörer noch Wälder und Schluchten vor dem geistigen Auge entstehen, wird der Ton nun etwas direkter: »Everybody Knows Something Good« ist eher ein Haus als eine Wiese. Den richtigen Mann dafür fanden »Someday Jacob«, wie schon zuletzt, in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee, dem Mittelpunkt des Country-Universums. Der Grammy®-dekorierte Rick-Rubin-Sidekick Ryan Hewitt (Red Hot Chilli Peppers, Johnny Cash, Avett Brothers, Angus & Julia Stone) setzte die Aufnahmen des Quartetts in Szene. Das Master stammt wieder von Richard Dodd (Tom Petty, George Harrison). Mehr Infos und Videos auf www.somedayjacob.de

 

Tickets online bestellen für das Konzert im August in Findorff kann man auf www.altespumpwerk.de 

 

© Caspar Sessler
© Caspar Sessler