KERSTIN SCHRÖCK GRÜNDETE DEN FINDORFFER »SINGLE KULTURKREIS«


Gemeinsam unterwegs und trotzdem unabhängig.

Kerstin Schröck ist Sozialpädagogin, 58 Jahre jung und wohnt in Findorff. Beruflich und privat hat sie schon viele Events und Gruppen ins Leben gerufen. Der »Single Kulturkreis Findorff« trifft sich jeden letzten Mittwoch im Monat um 20:00 Uhr im »Veranda«, Hemmstaße 89, 28215 Bremen. Sie sind Single und interessiert ? Kontakt: Singlekulturkreisab50@web.de

 


Kerstin Schröck, eine Großstadt wie Bremen weist heute 48 Prozent Single-Haushalte auf. Sie sind jetzt dabei einen »Single Kulturkreis« vor Ort in Findorff zu initiieren. Was hat Sie zu dieser Idee persönlich motiviert?

 

Ich habe viele Freunde überall in Bremen verteilt. Wenn man irgendwo hingehen will, dann tifft man sich vielleicht. Dann gehen alle schnell wieder auseinander. Paare haben es da viel besser. Sie gehen gemeinsam aus und gehen auch gemeinsam wieder nach Hause. Also habe ich mir gedacht: Wenn ich ganz viele Singles kenne, dann kann man gemeinsam zum Beispiel mit mehreren Menschen ins Theater gehen und anschließend gehen alle wieder zurück in die eigenen Single-Wohnungen und Häuser – und jeder ist glücklich, weil man einen tollen Abend hatte.

 

Wie grenzen Sie sich zu den üblichen Partnerbörsen ab ?

 

Wir sind keine kommerzielle Vermittlungsbörse. Es geht zuerst um Vernetzung. Ich komme aus Fischerhude; also vom Dorf. Das Dörfliche finde ich gut. Diesen Gemeinschaftssinn wünsche ich mir in der Großstadt. Ich finde es gut, wenn man zusammen ausgeht oder sich unterstützt, wenn jemand Hilfe braucht. 

 

Wie würden Sie die Idee des Findorffer »Single Kulturkreis« in einem ganz kurzen Satz beschreiben ?

 

Gemeinsam unterwegs und trotzdem unabhängig. 

 

Geht es über die kulturellen Aktivitäten auch darum als Single eine Partnerin oder einen Partner kennenzulernen ? 

 

Das ist nicht unser Grundgedanke. Wenn sich Menschen über die kulturellen Aktivitäten hinaus privat auch in Beziehungen finden, ist das schön – steht bei uns aber nicht im Vordergrund. 

 

In der Lokalpresse und auf www.findorffaktuell.de gab es bereits erste Berichterstattungen. Wie war die Resonanz ? 

 

Im »Weser Kurier« gab es einen Bericht. Daraufhin haben sich gleich sehr viele Menschen gemeldet, die interessiert waren. Da dachte ich mir: Ich mache das jetzt mal. Also habe ich einen Brunch bei »Emma am See« organisiert. Daraufhin meldeten sich immer mehr Menschen – und ich habe weitere, zusätzliche Plätze reserviert. Irgendwann war alles voll. Das zweite Mal haben wir uns im »Veranda« getroffen, weil ich dachte, dort haben wir genug Platz. Aber auch dort platzte alles aus den Nähten. Am Ende waren wir fast 30 Leute und alle waren total begeistert.

 

Möchten Sie den Findorffer »Single Kulturkreis«, der ja auch mit Zeit und Aufwand verbunden ist, ganz allein organisieren ?

 

Um Gottes Willen ! Ich möchte gern, dass der sich sehr schnell verselbstständigt. Ich bin momentan diejenige, die alles noch ziemlich allein in die Gänge bringt. Die bisherige Resonanz sprengt eigentlich jetzt schon meine Kapazitäten, aber ich bin am Tun und Machen. Irgendwann möchte ich, dass dieser Pool von Menschen sich selbst organisiert. Das ist mein Ziel. 

 

Welche Art der Unterstützung wünschen Sie sich  ?

 

Zwei Frauen haben mir schon sehr geholfen. Eine sichere Plattform, auf der Mann und Frau sich mit Anderen verabreden und vernetzen könnte, wäre toll. Es wäre hilfreich, wenn sich jemand findet, der mich hierbei unterstützt. Ich bin schon ganz gut, aber es gibt Menschen, die das besser und schneller können.

 


Also, Männer: Traut Euch !

 

Der »Single Kulturkreis Findorff« richtet sich an Interessierte ab 50 Jahren. Warum ausschließlich für diese Altersgruppe  ?

 

In diesem Alter fängt nicht selten ein neuer Lebensabschnitt an. Die Kinder sind groß oder sogar schon aus dem Haus. Paare haben sich getrennt. Dann denkt man sich: Was fange ich jetzt mit mir an ? Jetzt habe ich die Zeit. Aber allein ausgehen ist auch doof. In einem gut vernetzten Kreis ist es dann viel einfacher.

 

Wie eng legen Sie die selbstgesetzten Regeln aus  ?

 

Die Altersgrenze ab 50 sehen wir nicht so eng – und unsere Regeln legen wir überhaupt nicht eng aus. Wir haben auch Frauen dabei, die sind in Beziehungen, aber der Partner geht nicht so gern aus. Auch das ist bei uns möglich. Dafür habe ich den Begriff »Ausgeh-Single« erfunden. Was aber nicht passieren sollte, ist, dass wir am Ende wieder ganz viele Paare sind und die Singles irgendwann in der Unterzahl sind. 

 

Sie möchten, dass sich die Menschen im »Single Kulturkreis« organisieren und vernetzen. Wie erfolgt das ganz konkret ? 

 

Es gibt derzeit einen E-Mail-Verteiler, der noch ausbaufähig ist. Aber manche kennen sich mit E-Mail-Programmen nicht so aus.  

 

Ganz analog ist ja auch ein regelmäßiger Stammtisch geplant  ... 

 

Unseren Stammtisch gibt es schon. Da können dann wirklich alle kommen; auch wer nicht digital unterwegs ist. Das soll es ja geben und ist absolut in Ordnung. Allerdings sind bei uns die Männer noch etwas zurückhaltend. Anscheinend bekennt »Mann« sich nicht so gern als Single. Dafür gibt es bei uns nun wirklich keinen Grund. Also, Männer: Traut Euch !

 

Interview: Mathias Rätsch, Foto: Matthias Hornung, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 6, 2018

 

© Matthias Hornung
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