POLITIK: WAS IN DIESEM JAHR IM STADTTEIL ENDLICH PASSIEREN SOLLTE


Baustelle Findorff: ein Wunschzettel

Findorff ist ein toller Stadtteil. Aber es gibt durchaus »Baustellen«, an denen es nicht wirklich vorangeht. Die weiterhin nicht erfolgte Neugestaltung des Findorfftunnels, eine unattraktive Plantage, vermüllte Bahnbrachen und Leerstände an der Admiralstraße gehören dazu. Wir listen auf, was zu tun wäre, warum es nicht vorangeht und was wir uns für 2019 wünschen. 

 



Findorfftunnel aufwerten und sicherer gestalten

Worum es geht: Der Findorfftunnel ist als einzige direkte Verbindung von Findorff in die City unattraktiv und wird oft als »Angsttunnel« empfunden. Vor rund vier Jahren war die Neugestaltung des mit 170 Metern sehr langen Tunnels bereits Thema. Im Rahmen eines Workshops wurde seinerzeit verabredet, den Findorfftunnel aufzuwerten und sicherer zu gestalten – ein Bauwerk, das eigentlich eine Brücke ist und auch gar nicht zu Findorff gehört, sondern Teil der Bahnhofsvorstadt ist. Geplant waren eine attraktive Farbgestaltung, eine verbesserte Beleuchtung und eine Neugestaltung der Eingangsbereiche sowie der davor liegenden Freiflächen. 

 

Warum es nicht vorangeht: Leider sind die geplanten Verbesserungen bisher nicht umgesetzt worden. Ein wesentliches Problem ist, dass es in der Bau- und Verkehrsbehörde nicht ausreichend Personal gibt, das die Planung verfolgt. Außerdem müssen die verschiedenen betroffenen Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen – insbesondere die Deutsche Bahn, der das Bauwerk »gehört« und die sich an der Umsetzung beteiligen soll. Eine Anschubfinanzierung gibt es bereits, aber für einen Umbau des Tunnels werden weitere finanzielle Mittel benötigt.

 

Was wir uns wünschen: Der Findorfftunnel muss als zentrale Verbindung von Findorff in die Innenstadt endlich aufgewertet und sicher gestaltet werden. Dazu gehört besonders eine helle Atmosphäre mit attraktiver farblicher Gestaltung und einer verbesserten Beleuchtung.

Das bereits vorliegende Konzept muss jetzt zügig umgesetzt werden. Gerade im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Plantage und der Sanierung der Findorffstraße sind diese Maßnahmen im kommenden Jahr dringend geboten.

 

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Ein Plan für die Plantage

Worum es geht: Das Gewerbegebiet Plantage war einmal Findorffs erstes Wohnviertel. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist die Plantage heute eine unattraktive Mischung aus Wohnbebauung, Gewerbe, Dienstleistung und Kultur. Mit einem neuen Bebauungsplan wollte die Baubehörde bereits vor über drei Jahren die Neugestaltung des Areals anstoßen. 

 

Warum es nicht vorangeht: Es ist löblich, dass die Baubehörde mit einem neuen Bebauungsplan überdimensionierten Einzelhandel und auch mögliche Spielhallen und Bordelle verhindert hat, doch mit Blick auf die eigentlich geplante Wiederbelebung ist so gut wie nichts passiert. Grundproblem ist, dass der Stadt nur ein kleiner Teil der Flächen gehört. Die Umgestaltung kann nur mit den privaten Eigentümern gelingen, die in die Planungen einbezogen werden müssen. 

 

Was wir uns wünschen: Statt mehr grüne Freiflächen zu bebauen, brauchen wir neue Ideen für die bereits bebaute Stadt. Das gilt auch und besonders für die zentral gelegene Plantage in Findorff. Die Neuplanung der Plantage mit dem Ziel eines modernen Quartiers mit Wohnungen und Dienstleistungsangebotensollte endlich aufgenommen werden – denn wir können es uns nicht leisten, solche wertvollen Areale mitten in der Stadt un(ter)genutzt zu lassen. Neben der baulichen Aufwertung des Quartiers sind attraktive öffentliche Räume, Grünflächen und Durchwegungen zu gestalten. Ganz vorn auf der Wunschliste stehen auch kulturelle Angebote, umrahmt von öffentlichen Plätzen, die durch Aufenthaltsqualität zum Verweilen einladen.

 

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Stadtpark statt Findorffer Müllhalde

Worum es geht: Seit vielen Jahren liegen auf dem ehemaligen Bahngelände an der unteren Hemmstraße zwei Flächen von vier und drei Hektar Größe brach. Die Gebiete in zentraler Lage zwischen Güterbahnhof, Findorff und Utbremen / Walle bieten viele Chancen für neue Nutzungsformen, allerdings sind sie nicht – wie jüngst politisch gefordert – als Gewerbegebiet geeignet. Das kleinere Gelände zwischen Hemmstraße und Münchener Straße hat sich zu einer schützenswerten ökologischen Oase entwickelt und sollte so erhalten bleiben. Mitten in der Stadt sind hier bspw. über 100 Pflanzenarten und viele Vogelarten und Insekten zu finden. Die Fläche Richtung Güterbahnhof hingegen bietet echte Chancen für neue Nutzungsformen.

 

Warum es nicht vorangeht: Das Gelände ist zum größten Teil im Besitz der Deutschen Bahn, deren Zustimmung erforderlich ist. Durch die niedrige Brückenhöhe über der Hemmstraße ist es nur bedingt erreichbar. Der Flächennutzungsplan lässt zudem ausschließlich eine Natur- und Erholungsnutzung zu. 

 

Was wir uns wünschen: Die direkt von der Hemmstraße erreichbaren Flächen Richtung Güterbahnhof sollten dauerhaft zugänglich gemacht und gesichert werden. Das Gelände könnte bspw. mit Erdwällen so gestaltet werden, dass der Bahnlärm gedämpft wird. Hier wäre dann der ideale Platz für Spielflächen und zum »Stadtgärtnern«. In anderen Bereichen sind ein Freiflächensolarpark und Hundeauslaufzonen denkbar. Statt eines neuen Gewerbegebiets an dieser Stelle sollte man sich auf die vorhandenen Standorte am Güterbahnhof und der Plantage konzentrieren, um Gewerbe, Handwerk und Kultur anzusiedeln.

 

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Einfälle gegen Leerstände

Worum es geht: Die Admiralstraße wurde vor wenigen Jahren neu strukturiert und saniert. Dennoch gibt es heute auffällig viel Leerstand in den Ladenlokalen. Besonders schmerzlich: Der Wegzug von »Meyerhof« mit einer Verkaufsfläche von fast 2.000 qm. Erfreulicherweise gibt es Neuzugänge wie »Miss Molly« oder »Teilzeithippie«, aber die Leerstände waren in der Admiralstraße in den letzten Monaten nicht zu übersehen. 

 

Warum es nicht vorangeht: Die Preise für Einzelhandels- und Gewerbeflächen sind insgesamt stark gestiegen. Wer als ExistengründerIn hohe Mieten akzeptiert, muss diese ständigen Kosten erstmal erwirtschaften. Das heißt: hohes Risiko.

 

Was wir uns wünschen: Im Vergleich zu anderen Stadtteilen hat Findorff einen funktionierenden Einzelhandel. Es gilt, die Qualitäten des Stadtteils zu definieren und offensiv und gezielt zu kommunizieren, um ExistenzgründerInnen für den Standort Findorff zu begeistern. Wie seitens des Ehrenvorsitzenden des Findorffer Geschäftsleute e. V. angeregt, aber bisher nicht umgesetzt: Ein Leerstandsmelder für alle Einzelhandels- und Gewerbeflächen in Findorff wäre sinnvoll. Zudem erforderlich: statt Einzelaktionen ein professionelles Gesamtkonzept zur gezielten Außendarstellung des Stadtteils. An die VermieterInnen von Gewerbeflächen kann man allerdings nur appellieren, die Mietpreise zu senken, wenn sie sich nicht als marktfähig erweisen. Mutige ExistenzgründerInnen würden es ihnen danken.

 

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Texte: Ulf Jacob (1-3) Mathias Rätsch (4), Fotos: shutterstock