· 

Wir stehen für Klimaschutz im Alltag – und möchten das Thema zugänglich für alle machen.

»Es gibt nichts Gutes, außer man tut es«, war das Motto einer öffentlichen Pflanzaktion in unserem Stadtteil, zu der Mitte November die Bremer Müllsammel-Initiative »CleanUpYourCity« und der ehrenamtlich organisierte Verein »Klimazone Bremen-Findorff« eingeladen hatte, die mit über 100 Mitgliedern nach dem Bürgerverein die zweitgrößte Interessengemeinschaft in unserem Stadtteil ist. Im Fokus der Aktion standen Hemmstraße, Münchener Straße und Admiralstraße. Mathias Rätsch von FINDORFF GLEICH NEBENAN hat dieses vorbildliche Engagement Findorffer BürgerInnen zum Anlass genommen, Gesche Reich, Klimaschutzmanagerin bei der »Klimazone Bremen-Findorff« über die Hintergründe der Aktion zu interviewen.  

 

Großer Gemeinschaftssinn, um aktiv etwas für das Klima zu tun und mit über 100 Mitgliedern nach dem Bürgerverein die zweitgrößte Interessengemeinschaft in unserem Stadtteil: die Klimazone Findorff, Fotos © Klimazone Findorff
Großer Gemeinschaftssinn, um aktiv etwas für das Klima zu tun und mit über 100 Mitgliedern nach dem Bürgerverein die zweitgrößte Interessengemeinschaft in unserem Stadtteil: die Klimazone Findorff, Fotos © Klimazone Findorff

Gesche Reich, Sie sind Klimaschutzmanagerin im Verein »Klimazone Bremen-Findorff«. Wieviel Mitglieder hat der Verein mittlerweile?

 

Aktuell unterstützen uns 103 Menschen aus Bremen mit ihrem Mitgliedsbeitrag und ihrem ehrenamtlichen Einsatz, dafür sind wir sehr dankbar. Gerade in den letzten Monaten sind einige Menschen bei uns eingetreten um sich aktiv für den Klimaschutz im Stadtteil einsetzen zu können. Die Themen brennen einfach vielen unter den Nägeln und wir bieten hier eine gute Möglichkeit etwas für den alltagsbezogenen Klimaschutz zu tun. 

 

Mitte November gab es eine Pflanzaktion in Findorff. Was wurde wo von wem gepflanzt? 

 

Wir haben sogar ein ganzes Pflanzfest veranstaltet, also zwei Pflanzaktionen an einem Tag. Hierfür haben wir mit Unterstützung von »Naturschutz2Go« 7.045 Frühblüher-Zwiebeln bestellt. Ein Großteil wurde bereits am Vormittag von den 34 Mitarbeitenden der Gestra, Kindern vom »Fidibus e.V.« und ein paar AnwohnerInnen auf den Baumscheiben im Dreieck Münchener Straße – Hemmstraße – Walsroder Straße verpflanzt. Die restlichen Zwiebeln wurden dann am Nachmittag von engagierten FindorfferInnen bei den entsiegelten Flächen bei der Hemmstraße 305 und in der Admiralstraße verpflanzt. Im Frühjahr erwartet uns dann hoffentlich ein Blütenmeer von Januar bis Mai. 

 

Möchte der Verein damit nur Zwiebeln, oder auch ein Zeichen zum Klimaschutz setzen?

 

Auch mit dieser dritten Zwiebelpflanzaktion möchten wir nicht nur den Stadtteil verschönern, sondern auf wichtige Themen des Klimaschutzes aufmerksam machen. Das erste Pflanzfest 2021 stand unter dem Motto »Müll raus – Zwiebel rein«, weswegen wir auch in diesem Jahr vor dem Pflanzen den dortigen Müll weggesammelt haben. Gerade Zigarettenkippen sind kleine Giftbomben, die nicht nur unser Oberflächenwasser vergiften, sondern auch im Verdacht stehen Pflanzenwachstum zu hemmen. Zum anderen, sind Stadtbäume durch höhere Temperaturen in dicht bebauten Gebieten und den kleinen Standflächen besonderen Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommt nun die Bodenverdichtung durch unsachgemäße Nutzung der Baumscheiben. Viele Leute wissen leider nicht, dass die aufgestellten Bügel Baumschutzbügel und keine Fahrradbügel sind…

 

Für welche Bereiche im Klimaschutz steht die »Klimazone Bremen-Findorff«?

 

Wir stehen für Klimaschutz im Alltag – und möchten das große abstrakte Thema zugänglich für alle machen. Klimaschutz muss nicht immer dogmatisch und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene passieren, sondern Klimaschutz kann und soll auch Spaß machen. Besonders konzentrieren wir uns auf die vier Bereiche: Wohnen & Energie, Verkehr & Mobilität, Konsum & Ernährung, sowie Quartiersgestaltung. 

 

Welche konkreten Projekte laufen gerade?

 

Durch meinen hauptamtlichen Einsatz seit Mitte Mai, sind wir glücklicherweise in der Lage aktuell einige Projekte am Laufen zu haben, die ich hier gar nicht alle nennen kann. Auf unserer Homepage findet man dazu eine gute Übersicht. Zum Beispiel bieten wir jeden Freitag ein Upcycling-Nähcafe an, unsere Gartengruppe (Anm. d. R. Klimagarten, Ahnewehrweg 12) trifft sich jeden zweiten Freitag im Monat, unsere Mobilitätsgruppe ist sehr aktiv und bietet für alle Interessierten jeden zweiten Dienstag im Monat um 17:00 Uhr einen offenen Treff an.

 

Ein Projekt ist »Bewohnerparken«, für das sich der Verein für die Verkehrswende mit klimafreundlichen und sozial verträglichen Mobilitätskonzepten einsetzen möchte, um mehr Raum für Begegnung zu schaffen. Der Verein »Klimazone Bremen-Findorff« möchte »konstruktive Dialoge im Stadtteil fördern, wie wir diesen Weg zeitnah gehen können«. Mit wem sind Sie in Kontakt und wie gut gelingen diese Dialoge bspw. mit der auch in Findorff ansässigen Bürgerinitiative »Mobilitätsfrieden Bremen« und dem Vorstand der »Findorffer Geschäftsleute«?

 

Die Mobilitätsgruppe der Klimazone ist ebenfalls Teil des Verkehrswendenetzwerks in Bremen, weswegen hier ein steter Austausch auf kurzem Wege zwischen den aktiven Vereinen stattfindet. Die von Ihnen angesprochenen Beispiele wirken vielleicht auf den ersten Blick konträr, doch wir haben VertreterInnen beider Parteien im Kreis unserer Mitglieder, wodurch ein konstruktiver Austausch gefördert wird. 

 

Alle Fotos © Pressebilder, Klimazone Findorff


Nur zusammen können wir etwas bewirken.

Woran liegt es, dass die behördliche Umsetzung bisher stockt und unser Stadtteil fast drei Jahre nach einem im Beirat Findorff einstimmigen Antrag für die Erstellung eines Betriebsplanes zu geplanten Einführung keinen Schritt weiter ist – und einige FindorfferInnen kürzlich eigene Anträge stellen mussten, damit der Prozess beschleunigt wird? 

 

Das würde uns auch Interessieren, aber das müssen Sie den Beirat fragen. 

 

Wie wichtig ist die kritische »Unterstützung« der LokalpolitikerInnen im Beirat Findorff von außen durch engagierte BürgerInnen, um den Klimaschutz auch auf lokaler Ebene im Stadtteil nur ein kleines Stück voranzubringen?

 

Jede Unterstützung bringt den Klimaschutz und die Anliegen im Stadtteil voran. Nur zusammen können wir etwas bewirken.

 

Wie und kann man das Engagement der »Klimazone Bremen-Findorff« kennenlernen – und kann JedeR mitmachen?

 

Bei uns darf jedeR mitmachen, von internationalen StudentInnen bis hin zu berenteten Personen sind bei uns viele Personengruppen und Sprachen vertreten. Am besten lernt man uns beim Klima-Klönschnack kennen, jeden letzten Samstag im Monat ab 14:00 Uhr bieten wir ungezwungenes Kennenlernen und Austausch bei Heißgetränk und Kuchen. Im Dezember treffen wir uns wegen Weihnachten bereits am 17.Dezember.

 

Wie hoch ist der Jahresbeitrag für eine Mitgliedschaft?

 

Einzelmitglieder unterstützen uns mit 30€, eine Familienmitgliedschaft mit 45 €. 

 

Welche Vorteile habe ich – und wo gibt es den Mitgliedsantrag?

 

Die Mitgliedsbeiträge helfen uns, unsere Kosten zu decken und weiterhin komplett kostenfreie Angebote, wie den Lastenradverleih, das Nähcafé und viele tolle neue Projekte, wie beispielsweise klimafreundlich kochen ab Ende Februar 2023 anzubieten: Den Antrag kann man online unter www.klimazone-findorff.de ausfüllen und an uns schicken oder einfach in der Münchener Straße 146 vorbeikommen und einen Antrag rausholen. In der Regel sind wir Montag bis Freitag zu den normalen Geschäftszeiten da (immer wenn das Lastenrad draußen steht), wer auf Nummer sicher gehen will, ruft vorher kurz an.  

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Mathias Rätsch im November 2022, Fotos: Pressebilder © Klimazone Findorff

Kommentar schreiben

Kommentare: 0