Jan-Olaf Rodt spielte ungezählte Konzerte in Deutschland und im Ausland


Ich bin gern Sideman in anderen Bands.

Jan-Olaf Rodt spielte ungezählte Konzerte in Deutschland und im europäischen Ausland. Almut Heibült traf den Jazz-Gitarristen aus Bremen zum Interview für FINDORFF GLEICH NEBENAN. Mehr unter www.janolafrodt.com

 


Moin Jan-Olaf, wie bist Du zur Musik gekommen und wann hast Du Dich für den Jazz entschieden ?

 

Wie das so ist in einem bürgerlichen Elternhaus: Ich durfte schon als Kind Klavier spielen, aber das war es für mich nicht. Irgendwann fing ich an Rock’n’ Roll auf der Gitarre zu spielen. Plötzlich machte mir das Üben viel mehr Spaß ! Ich hatte auch schon sehr früh den Wunsch Profimusiker zu werden und Musik zu unterrichten. Als ich anfing in Bremen zu studieren, war ich erst vom Jazz zunächst gar nicht begeistert, aber dann hat sich diese Liebe doch langsam entwickelt – und sie hält bis heute an.

 

Der bekannteste Jazz-Gitarrist der Welt Pat Metheny hat gesagt: »Mit seiner Gitarre muss man viel Zeit verbringen. Wenn Sie sechs oder sieben Stunden am Tag üben, und das fünf bis zehn Jahre lang, dann können Sie anfangen, darüber zu reden.« Wieviel Zeit verbringst Du am Tag mit Deiner Gitarre ?

 

Ich versuche jeden Tag eine Stunde nur für mich und völlig frei meine eigene Musik zu spielen. Zugegeben: Ich habe früher mehr geübt; allerdings nie so viel wie ein Pat Metheney – und deshalb bin ich auch nicht er. Üben ist schon wichtig, aber es gehört im Jazz noch mehr dazu wie eine gewisse Weltoffenheit – und man sollte beispielsweise auch neue Einflüsse kanalisieren können. Aber an viel Arbeit kommt niemand vorbei, wenn man ein guter Musiker werden möchte und von der Musik leben will.

 

Du bist nach dem Studium in Bremen geblieben. Warum ?

 

Ich bin schon nach Berlin gezogen und habe dort auch studiert, aber bin nach kurzer Zeit zurückgekommen. Anfangs hat sich die Rückkehr komisch angefühlt, weil das Gefälle zwischen Berlin und Bremen hinsichtlich des »Hipness-Faktors« sehr groß war und ist. Ich fand Berlin sehr inspirierend, aber beruflich war es ein schwieriges Pflaster. Meine Existenz als Musiker hatte dort Formen angenommen, die keinen Sinn machten. Oft gab es sehr wenig oder gar kein Geld. Ich hatte schon damals den Anspruch von meinem Beruf auch leben zu können. Noch ein weiterer Grund war, dass ich in Bremen immer meine engsten Freunde hatte – Kontakte die mir wichtig waren und weiterhin sind.

 

Bremen war in den Sechzigern und Siebzigern eine Hochburg des Jazz; mit legendären Spielstätten wie der »Lila Eule« oder dem »Café Grün«. Sind wir heute immer noch eine Hochburg ?

 

Eine Hochburg des Jazz ist Bremen nicht mehr, aber wir können es ja wieder werden! Ich habe diese Zeit leider nicht miterlebt, aber ich kenne legendäre Bremer Musiker wie Ed Kröger, die von damals immer noch sehr beseelt sind. Ich finde, das ist auch absolut berechtigt, aber man sollte dennoch schauen, was heute so geht. Für die Jazz-Szene ist es gut, dass wir eine Hochschule für Musik in unserer Stadt haben, aber auch, dass Bremen eine sehr schöne, lebenswerte Stadt ist, wodurch immer wieder gute MusikerInnen zu uns kommen. Viele Studierende organisieren auch Veranstaltungsreihen, die nicht groß sind, aber Bremen als Jazz-Standort aus dem »Tal der Tränen« heraus katapultieren.

 

Witze in der Jazz-Szene gehen so: Am Taxistand verhandeln zwei Typen mit dem Chauffeur. Der eine trägt eine Tasche mit Schlagzeug-Becken und Trommelstöcken, der andere einen Trompeten-Koffer. Wer von den dreien ist Jazzmusiker ? 

 

Der Taxifahrer ! 

 

Ist das immer noch so ? 

 

Wer sich ordentlich auf den Hintern setzt, der kann in Deutschland von der Musik leben. Ich kenne allerdings auch einige MusikerInnen – nicht nur im Jazz, sondern auch aus der Klassik – die beruflich doch noch irgendwann umsatteln.

 


Ich muss in meiner Situation wenig Rücksicht nehmen.

 

Wie leidenschaftlich muss man für seine Musik »brennen«, um unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen trotzdem als MusikerIn zu überleben ?

 

Ich habe keine Familie mit Kindern. Wenn das so wäre, müsste man jeden Gig annehmen – und wenn Du in der Lebenslage nachts nach Hause kommst und als Musiker live zwar Spaß hattest, aber nur 30 Euro mitbringst, macht das keine Partnerin lange mit. Ich habe eine halbe, unbefristete Stelle an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die mir die Miete finanziert. Das haben nicht viele KollegInnen. Ich muss in meiner Situation wenig Rücksicht nehmen. Ich spiele viel, habe wenig Freizeit, aber die Freiheit, die Projekte zu machen, die ich machen möchte. Das ist ein bisschen wie freies Unternehmertum.

 

Du spielst in vielen Bands und Projekten mit Musikern wie Malte Schiller oder Peter Dahm. Ist netzwerken im Jazz erforderlich, zumal laut einer Studie Deutschlands JazzmusikerInnen im Monat nur ca. 1.000 Euro im Durchschnitt verdienen ? 

 

Netzwerken ist extrem wichtig für die eigene Musik, aber auch für die künstlerische Weiterentwicklung. Das eigene Projekt ist wichtig, aber ich bin auch gern Sideman in anderen Bands – und fühle mich in der Rolle des Begleitmusikers oft viel wohler. 

 

Auf der »jazzahead!« präsentiert das »Jan-Olaf Rodt Qu4rtet« am 25. April 2020 im Rahmen der CLUBNIGHT die aktuelle CD »Shimmering«. Spielstätte für das Konzert ist das »Alte Pumpwerk« in Findorff. Welchen Reiz hat es, dort zu spielen ?

 

Ich durfte dort schon mit der »Malte Schiller Group« gastieren. Die Maschinenhalle ist sehr besonders: Es ist eine große, hohe  Halle, die eine ausgezeichnete Akustik mit einem speziellen Raumhall hat – und das Team des Vereins ist einfach toll.

 

Interview: Almut Heibült, Foto klein: Saar Brokmann, Foto großDijana Nukic, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 13, 2020

 

© Dijana Nukic
© Dijana Nukic