Andreas Holling ist die zentrale Stimme der BSAG für die Medien und die Öffentlichkeit. In der Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet er die Kommunikation zu aktuellen Themen wie Fahrplanänderungen, Streiks oder Infrastrukturprojekten. Andreas Holling lebt und wohnt in Findorff. Mehr über das Unternehmen unter: www.bsag.de/unternehmen
Moin, Herr Holling, Sie sind Pressesprecher bei der BSAG. Seit wann gibt es die Bremer Straßenbahn AG und was hat sich in den letzten Jahren verändert ?
Die BSAG feiert in diesem Jahr den 150. Geburtstag. Gegründet wurden wir 1876. Damals gab es noch keine Motoren oder elektrischen Antriebe. Pferde zogen die Bahnen zu der Zeit. Seitdem hat sich natürlich viel getan, und gerade in den letzten Jahren ist das Thema »Elektromobilität und Elektroantriebe« dazu gekommen. Ein Drittel unserer Busse fährt elektrisch. Zwei Drittel sind noch Dieselbusse. Die Straßenbahnen fahren schon seit 120 Jahren elektrisch. Wir fahren mit Ökostrom.
Welche Berufe gibt es bei BSAG ?
Das Spektrum ist groß. Die meisten der KollegInnen, die bei uns arbeiten, sind im Fahrdienst. Es sind die MitarbeiterInnen, die die Straßenbahnen und Busse fahren. Wir haben ungefähr 2.500 Mitarbeitende und ungefähr die Hälfte davon fährt. Dann haben wir eine große Gruppe, die in der Werkstatt tätig ist und sehr viele Menschen, die in der Verwaltung arbeiten. Wir haben auch Jobs wie »MediengestalterIn«, die beispielsweise unsere Anzeigen gestalten. Es gibt viele KollegInnen in der Disposition und ein Team, das in der Leitstelle arbeitet. Dort wird der gesamte Betrieb draußen im Streckennetz überwacht. Die Leitstellen-KollegInnen sorgen also dafür, dass alles reibungslos läuft. Es sind sehr viele Jobs – auf jeden Fall mehr als zwei Dutzend verschiedene Berufe.
Hat die BSAG auch einen Vorstand ?
Ja, das »AG« in BSAG steht für Aktiengesellschaft. Das bedeutet: Wir haben auch einen Vorstand aus drei Personen, die sozusagen die »Chefs« des Unternehmens sind. Das Unternehmen selbst ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Bremen.
Was ist Ihr Job und wie sieht Ihr Alltag aus ?
Als Pressesprecher der BSAG ist mein Job der Umgang mit Presseanfragen durch die verschiedenen Medien. Das heißt, ich habe viel damit zu tun, wenn ReporterInnen von Zeitungen oder »buten un binnen« etwas wissen möchten, deren Fragen zu beantworten. Ein bisschen zu meinem Bereich gehört auch die Betreuung auf Veranstaltungen. Wenn wir Gäste haben, führe ich sie über unser Betriebsgelände, damit sie zu sehen kriegen, was sie interessiert. Es gibt also auch Aufgaben, die neben der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen sind.
Wie wird man Bus- oder StraßenbahnfahrerIn ?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Der normale Weg ist die Ausbildung zur »Fachkraft im Fahrbetrieb«. Die ist vergleichbar mit einer Lehre und dauert drei Jahre. In dieser Zeit lernt man neben dem Fahren im Prinzip alles zu den Fahrzeugen und auch einiges zur Technik. Man kommt zudem in die kaufmännischen Abteilungen und wird im Hause ein bisschen »durchgetauscht«. Auch QuereinsteigerInnen können Bus- und StraßenbahnfahrerInnen werden. Menschen, die schon einen Job hatten, etwas älter sind, aber jetzt wechseln wollen, können innerhalb von einigen Monaten ein »Fahrpatent« bekommen.
Wie viele Busse und Straßenbahnen gibt es in Bremen ?
Der BSAG stehen 125 Straßenbahnen und fast 230 Busse zur Verfügung.
Was kostet ein Bus und eine Straßenbahn ?
Ein normaler Dieselbus kostet um die 250.000 Euro. Ein Elektrobus kostet das Doppelte oder noch ein bisschen mehr. Und eine Straßenbahn kostet auf jeden Fall zwei Millionen Euro.
Wer reinigt die Busse und Bahnen ?
Die KollegInnen, die das machen, gehören bei uns zur Werkstatt. Sie reinigen die Fahrzeuge jeden Tag und in einem gewissen Rhythmus komplett von Grund auf.
Was passiert mit den verlorenen Sachen ?
Wir haben ein eigenes Fundbüro. Die Fahrenden checken an den Endstationen den Bus oder die Bahn – und finden nicht selten eine Tasche oder einen Rucksack, die dann von uns mitgenommen werden. Es kommt ein Zettel an das Fundstück, worauf steht, wann und auf welcher Linie es gefunden wurde. Das Objekt geht dann in unser eigenes Fundbüro. Das dauert meistens ein, zwei Tage bis es dort ist. Man kann dann in das Fundbüro gehen. Oder man fragt erst telefonisch oder online nach, ob die verlorene Sache abgegeben wurde. Wenn ja, kann man sie danach dort abholen.
Was wird im Bus am häufigsten vergessen ?
Taschen, Klamotten, und Schulranzen werden sehr häufig vergessen. Der Klassiker: Manchmal auch mit Essen drin, das die KollegInnen sofort entsorgen. Wir finden aber auch sehr exotische Objekte wie Rollstühle oder Gehhilfen, bei denen man sich wundert, wie die Menschen mit einer Gehhilfe in den Bus kommen, aber ohne wieder heraus. Handys tauchen auch immer wieder auf, manchmal auch Ausweise, nach denen niemand fragt. Dabei sollte man denken: »Ein Ausweis oder eine Mitarbeitendenkarte irgendeines Unternehmens sollte eigentlich jemand suchen.«
Was waren die verrücktesten Sachen, die vergessen wurden ?
Für mich persönlich war das eine Violine. Ein Instrument ist ja schon ein recht wertvoller Gegenstand, den man eigentlich nicht so liegen lässt. Ansonsten haben wir bei »Instagram« jeden Monat das Fundstück des Monats, das alles Mögliche sein kann. Es gab schon ein Baugerät, eine Bohrmaschine und sogar einen Toilettensitz. Es ist manchmal schon sehr seltsam, was einige Leute alles so liegen lassen.
Wie machen Ihnen die sehr hohen Spritpreise zu schaffen ?
Wir verfahren jedes Jahr über sechs Millionen Liter Diesel mit unseren Bussen. Jeder Cent, der durch Erhöhungen an Extrakosten für uns dazukommt, ist ein Thema. Höhere Spritpreise können wir genauso wenig wie die AutofahrerInnen ändern. Wir haben natürlich andere Konditionen, weil wir viel mehr kaufen, aber trotzdem gehen alle Steigerungen auch zu unseren Lasten. Und am Ende leiden die Fahrgäste darunter, die uns bezahlen.
Kann man als SchülerIn bei Ihnen ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren oder am Zukunftstag teilnehmen ?
Die Teilnahme am Zukunftstag ist auf jeden Fall möglich. Es waren zuletzt sehr viele SchülerInnen dabei. Zum Thema Praktikum: Es stellt sich immer die Frage, wie alt man ist. Es gibt Bereiche, da geht es nicht so gut, zum Beispiel in der Werkstatt. Dort kann die Arbeit auch gefährlich sein. Da muss man sehr aufpassen. Wir machen aber in anderen Bereichen immer wieder Praktika für Schülerinnen und Schüler möglich.
Wie viele SchülerInnen nimmt die BSAG für den Zukunftstag an ?
Es waren letztes Mal über 40 SchülerInnen, die draußen vor der Eingangstür standen. Eine solche Gruppe ist selbst für uns ziemlich groß.
Interview: #KIDSREPORTER Hajrije, Laarni und Lilly, Foto: Martin Bockhacker, Bildplantage 13, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 38, 2026