ULLRICH ALTMANN HAT EIN FOTOPROJEKT über den Schnoor REALISIERT


In der Architekturfotografie halten die Motive still.

Jörg Lochmon ist im Kulturzentrum Schlachthof mit zuständig für das Programm in Bremen Findorff Findorffer Geschäftsleute Magazin Stadtteil Bremen Einzelhandel Gastro Restaurants essen gehen

Ullrich Altmann hat ein erfülltes Berufsleben lange hinter sich und vor 20 Jahren seine Liebe zur Fotografie entdeckt. Er hat mehrere Fotobände über Orte in Bremen veröffentlicht – teils mit Mitfotografen, teils allein. Aber die Fotografie lässt auch genügend Raum für Reisen, (Rad-) Wandern, Kultur und Gespräche mit Freunden. Oder auch für Nichtstun. Die Liebe hat ihn nach Findorff gezogen, und heute hält ihn nicht nur die Liebe zu seiner Frau, sondern auch die Zuneigung zu diesem wunderbaren Dorff in der Stadt. 

 


Moin Herr Altmann, Sie erstellen hervorragende Fotografien. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie dieses Hobby erlernt haben ? 

 

Na ja, »hervorragend« ... bekanntlich liegt die Schönheit im Auge der Betrachterin oder des Betrachters. Eine meiner Schwächen ist gleichzeitig eine meiner Stärken – zumindest, was die Fotografie betrifft: In Vielem, was ich tue, bin ich sehr genau; geradezu pedantisch. Das ist bei der Fotografie von Architektur und Interieur unerlässlich. Dazu kommt bei mir ein instinktives Gefühl für Linienführungen, Proportionen und Farben. Bevor ich vor rund 20 Jahren die Fotografie als ernsthafte Beschäftigung für mich gefunden habe, hatte ich natürlich »geknipst« und mir die Technik und das Zusammenspiel von Blende, Zeit und Filmempfindlichkeit angeeignet. Aber es waren Landschaften im Urlaub, die Kinder, solange sie dabei mitgespielt haben, die eine oder andere Nahaufnahme von Blüten oder Insekten – alles für den Hausgebrauch. Als es dann für mich ernst wurde, war das auch eine längere Entwicklung voller Versuche und Experimente, meinen Stil zu finden. Erst mit der Arbeit für meine ersten Bildbände über das »Haus des Reichs« und danach über »Die Glocke« und später über die von dem 2022 verstorbenen Bremer Ehrenbürger Klaus Hübotter geretteten Objekte habe ich allmählich meine fotografische Bestimmung gefunden: klare, eher kühle Bildsprache, das Objekt auf Augenhöhe exakt abbilden, nichts arrangieren oder die manipulativen Möglichkeiten der Kamera nutzen. Selbstkritisch muss ich aber sagen, dass es andere Genres der Fotografie gibt, bei denen ich eher »unterbelichtet« bin. In der Architekturfotografie halten die Motive still. Und das kommt mir entgegen.

 

In diesem Jahr ist ein aufwändiger Bildband über den Schnoor im »Kellner Verlag« erschienen. Warum haben Sie gerade den Schnoor für Ihr Fotoprojekt ausgewählt ?

 

Mein Mitfotograf und ich hatten den Doppelband über die Hübotter-Objekte im Mai 2022 abgeschlossen, und ich überlegte, was denn in Bremen als nächstes erfüllend wäre. Zufällig stieß ich auf einen Radio-Bremen-Beitrag vom Juli 2022. In diesem Beitrag sprachen Fritz Haase, der seit mehr als 60 Jahren im Schnoor wohnt und arbeitet, und Phil Porter, ein gerade zugezogener Fotokünstler, über das unfaire Vorurteil, das diesem Viertel anhaftet. Unfair, weil die meisten Menschen im Zusammenhang mit dem Schnoor an von Touristen überfüllte Gassen oder an ein Freilichtmuseum denken, in das man allenfalls wegen des gastronomischen Angebots geht oder auswärtige BesucherInnen hindurchführt. In Wirklichkeit ist der Schnoor aber ein Viertel, in dem über 300 Menschen leben, wohnen und arbeiten. Es gibt in ziemlicher Dichte Kunst und Kultur, Religion (man spricht sogar vom kleinen Vatikan) und unglaubliches Ehrenamt, Traditionsbetriebe in Gewerbe und Gastronomie sowie Bildung und Gedenken. Es ist so ein Stadtviertel wie Findorff, und ähnlich reizvoll und interessant. Das wollte ich versuchen, in Bildern darzustellen. Mit der Hilfe von Schnoorianerinnen und Schnoorianern ist das gelungen. Sie haben mir für mich neue Ecken gezeigt, mir ihre Türen geöffnet und sind mir aufgeschlossen und hilfreich entgegen gekommen. Besonders unterstützt hat der bereits erwähnte Fritz Haase. 

 

Was hat Ihnen bei Ihrer Arbeit am Schnoor-Buch besonders gut gefallen ?

 

Ich habe dabei unglaublich viel gelernt. Über viele Traditionsunternehmen, über das Bremer Geschichtenhaus, über die TV Concordia und auch über das große ehrenamtliche Engagement, zum Beispiel für obdachlose Menschen.

 


Ich habe fast drei Jahre im Schnoor fotografiert, und in dieser Zeit habe ich Zuneigung zu Orten und Menschen gefasst.

 

Wurden Sie mit offenen Armen empfangen, oder mussten Sie die Menschen auch überreden, ihr Haus für Sie zu öffnen ?

 

Einige wenige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner waren strikt ablehnend. Die große Mehrheit begegnete mir aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit. Für mich am Schönsten war der Moment, an dem ein mir vorher völlig unbekannter Wohnungsinhaber zum Schwimmen gehen wollte und meinte, ich solle doch die Tür einfach hinter mir zuziehen, wenn ich fertig bin. So viel Vertrauen ist im Wortsinn »herzerwärmend«.

 

Gibt es einen Ort im Schnoor, der Ihnen am Herzen liegt ?

 

Nein. Ich habe fast drei Jahre im Schnoor fotografiert, und in dieser Zeit habe ich Zuneigung zu Orten und Menschen gefasst. Fast jedes Haus ist mit angenehmen Erinnerungen verbunden. Ich habe das Viertel insgesamt in mein Herz geschlossen.

 

Wie gefällt es Ihnen, in Findorff zu wohnen und zu leben ?

 

Meine Frau wohnt mit einer Unterbrechung seit über vierzig Jahren in Findorff. Als wir zusammenkamen, habe ich Findorff zehn Jahre lang als häufiger Besucher erlebt. Nach unserer Heirat wohne ich nun schon 16 Jahre hier. Ich möchte nirgendwo anders in Bremen leben und wohnen. Nicht einmal im Schnoor.

  

Weitere Infos über Ullrich Altmann gibt es auf www.ullrichaltmann.de und der neue Bildband ist bestellbar unter www.kellnerverlag.de/der-schnoor.html

Interview: Manfred Dotzauer, FotoMarta Urbanelis, www.martaurbanelis.comInterview erschienen in Ausgabe Nr. 36, 2025  

 

Foto © Marta Urbanelis, www.martaurbanelis.com
Foto © Marta Urbanelis, www.martaurbanelis.com