Familien in Findorff e.V. ist mit rund 140 Betreuungsplätzen, 40 MitarbeiterInnen und acht Standorten eine der größten Einrichtungen für Kinderbetreuung in Findorff. Der Verein bietet außerdem Entspannungskurse sowie Gesprächsgruppen in schwierigen Lebenssituationen an und vermietet Räume für verschiedene Aktivitäten. FINDORFF GLEICH NEBENAN traf Magda und Regina zu einem Gespräch über gutes Essen in der Kita. Mehr auf www.familien-in-findorff.de
Wenn ihr den Speiseplan von heute mit dem von vor zehn Jahren vergleicht: Was sind die auffälligsten Unterschiede ?
Früher diente das Kita-Essen nur der Versorgung, und heute wird ein größerer Augenmerk auf gesunde, nachhaltige und vielfältige Lebensmittel gelegt. Kulturelle Sensibilität und der Verzicht auf Fleisch spielen ebenfalls eine größere Rolle.
Ist der Anspruch an »gesunde Ernährung« gewachsen – aus Sicht der Eltern und aus Sicht der PädagogInnen ?
Ja, in den letzten Jahren ist der Anspruch an gesunde Ernährung in Kitas sowohl von Eltern als auch von Pädagoginnen gestiegen: Eltern wünschen sich ausgewogene, frische Mahlzeiten, und wir Fachkräfte sehen den Bereich Ernährung als Teil unseres Bildungsauftrags, in dem wir Wertschätzung für Lebensmittel und eine positive Esskultur vermitteln.
Wie viel pädagogische Arbeit steckt in einer gemeinsamen Mahlzeit ? Welche Werte und Regeln werden dabei den Kindern vermittelt ?
Durch die gemeinsamen Mahlzeiten lernen die Kinder bei uns, Rücksicht aufeinander zu nehmen, und Rituale wie beispielsweise Tischsprüche fördern das Gemeinschaftsgefühl. Die Kinder üben Selbstständigkeit, indem sie ihre Brotboxen selbst ein- und auspacken, Essen auftun und Wasser einschenken. Höfliche Umgangsformen wie »Bitte« und »Danke« können beim gemeinsamen Essen besonders gut geübt werden, und wir Pädagoginnen haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion.
Kinder haben oft sehr eigene Vorstellungen von »gutem Essen«. Wie viel Mitspracherecht haben sie bei der Auswahl der Speisen ?
Bei unserem aktuellen Lieferanten stehen uns täglich zwei Menüs zur Auswahl, die von uns Fachkräften ausgewählt werden. Bei der Auswahl berücksichtigen wir, welche Vorlieben wir bei den Kindern beobachten konnten, und wählen das Menü dementsprechend aus. Die Kinder entscheiden außerdem selbst, wie viel sie von ihrem Teller essen möchten; so lernen sie, auf ihr eigenes Hunger- und Sättigungsgefühl zu achten. Beim gemeinsamen großen Frühstück können die Kinder anhand von Bildkarten selbst entscheiden, was sie zum Frühstück mitnehmen möchten.
Wie ist eure Haltung Kindern gegenüber, die bei Essen eher »wählerischer« sind und vieles nicht mögen ? Dürfen die Kinder das Essen ablehnen, wenn sie es nicht mögen ?
Die Kinder dürfen das Essen ablehnen, jedoch versuchen wir, sie zum Probieren zu ermutigen – ohne Zwang.
»Bio, regional und saisonal« – ein hoher Anspruch. Ist dieser bei einem doch recht knapp bemessenen Budget umsetzbar ?
Bio-, regionale und saisonale Lebensmittel sind sinnvoll, doch leider nicht immer umsetzbar. Es gestaltet sich schwierig, einen Anbieter zu finden, der diese Qualitätsmerkmale aufweist und diesen Service im Rahmen des Budgets anbieten kann.
Die Kinder bringen ihr eigenes Frühstück mit. Wie geht ihr damit um, wenn Kinder süße Riegel, Schokobrote oder Fruchtsäfte in ihrer Frühstücksbox haben ?
Wichtig ist uns, dass bereits zu Beginn der Betreuung mit den Eltern kommuniziert wird, welche Lebensmittel erlaubt sind. Falls es doch dazu kommt, beziehungsweise wiederholt dazu kommt, bleiben wir im Gespräch mit den Eltern und besprechen gesündere Alternativen.
Als PädagogInnen habt ihr für die Kinder eine Vorbildfunktion. Hat dieses Wissen um die Vorbildfunktion Auswirkungen auf eure Essgewohnheiten beim gemeinsamen Essen mit den Kindern ?
Auf jeden Fall. Wir essen gemeinsam mit den Kindern und sind uns unserer Vorbildfunktion in Sachen Ernährung bewusst.
»Religiöse Vorschriften, Allergien oder vegane Lebensstile« – welche Extrawünsche gibt es von Seiten der Eltern ?
Bei der Aufnahme von Kindern werden Allergien, Unverträglichkeiten und religiöse Wünsche der Eltern besprochen. Grundsätzlich gibt es kein Schweinefleisch in der Kita und auch kein Halal-Fleisch. In diesem Fall bekommen die Kinder eine fleischfreie Alternative. Wir hatten in der Vergangenheit auch Kinder, die sich vegan ernährten, und auch das konnte nach Absprache umgesetzt werden.
Beim Essen kann es laut werden. Wie schafft ihr es, dass die Mahlzeiten ein Moment der Ruhe und des Genusses bleiben ?
Die Kinder bekommen genug Zeit zum Essen ohne Druck und Hektik. Wiederkehrende Rituale und Regeln, wie beispielsweise das gemeinsame Sitzen und Warten, geben den Kindern Sicherheit und unterstützen die Ruhe am Tisch ebenfalls.
Wenn Geld und Personal keine Rolle spielen würden: Was wäre die eine Sache, die ihr im Bereich Ernährung sofort einführen würdet ?
Wir würden uns wünschen, direkt in der Kita bekocht zu werden, mit möglichst Bio-, regionalen und saisonalen Lebensmitteln. So könnte das Menü besprochen werden, und die Kinder könnten besser in die Mahlzeitenplanung einbezogen werden.
Interview: Mathias Rätsch, www.raetsch.de, Foto: Oksana Kuzmina, www.shutterstock.com, Interview erschienen in Ausgabe Nr. 38, 2026